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New Work Chat Podcast

Wenn wir uns in Gesprächen begegnen wollen, von- und miteinander lernen oder nur die unterschiedlichen Standpunkte klären möchten, ist es wichtig, Begriffe zu klären – oder mit Bedeutung zu füllen… dann kann aus Buzzwords wieder Wirkung entstehen.

Im Interview mit dem sehr geschätzten Moderator des „New Work Chat“ Gabriel Rath versuchen wir zu inspirieren, unsere Worte mit erlebbarer Bedeutung zu füllen. NewWork ist für mich kein Trend oder Upgrade für die wohlstandsAngestellten sondern eine Neugestaltung der Arbeits- und Lebenswelt.

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Angst vor dem Scheitern?

Als Antwort auf den lesenswerten Post „…schon wieder gescheitert“ von Stefan Lapenat auf LinkedIn hier meine Erfahrungen mit der Angst zu Scheitern und wie man diese verändern kann.

Woran scheitern wir?

Eine Art, sich vor dem Scheitern zu schützen, in dem man gar nicht erst Neues beginnt, bezeichne es gerne als „gelernte Selbwirksamkeitslosigkeit“ – aufgeben, bevor es richtig los geht. Ob es im Einzelfall Angst vor dem Scheitern selbst, vor dem Anders sein, nicht angepasst sein, sich erklären zu müssen, es nicht zu schaffen, nicht schnell genug/gut genug/außergewöhnlich genug ist, es nicht gut „verkaufen“ zu können mag variieren. Viele sind mir auf meinem Weg begegnet, die resigniert haben – assimiliert von einem Wachstums/lean/fehlerfrei-System. „Ich kann eh nichts ändern“. Selbst in Kursen und Trainings wurde in Vorstellungsrunden unisono angegeben: Was kann ich schon bewirken… wie traurig!

Angst vor dem Scheitern

Ich werfe hier bewusst 2 Dinge in einen Topf: Veränderung und Lernen, weil es für mich sehr ähnlich ist. Beides braucht den Mut, etwas Bestehendes in Frage zu stellen, es zu verlassen um etwas neues/anderes zu entdecken.

Rückblick – eigentlich sind wir ganz anders!

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Lern-Interview mit dem Unternehmensdemokraten

Ist alles geregelt, sicher, klar und einfach, entsteht Bequemlichkeit
– und das Ende der Menschheit.

Interview Unternehmensdemokraten

Roboter und Softwareprogramme sind dafür gemacht, Regeln zu befolgen, und können das rund um die Uhr in höchster Präzision. Menschen können träumen, verrückte Dinge tun, Kultur schaffen, spirituell sein, Sinn hinterfragen, emphatisch und sozial sein, lieben und Dinge erfinden… unsere Zukunft liegt nicht im programmiert werden, Algorithmen befolgen oder perfekt sein! Warum sind unsere (Schul-/Organisations-/Politik-) Systeme immer mehr darauf ausgelegt, uns unselbstständig zu machen?

Die Zahl der Menschen, die nach Vorgaben und einfachen Antworten ruft, sich und anderen nichts zutraut, scheint zu wachsen.

„Die verstehen das nicht!“
ist Ergebnis langjähriger Konditionierung von „Du kannst das nicht!“

Freiheit ist unbequem, aufwändig und verlangt nach reflektiertem Handeln und Disziplin – in welcher Welt wollen wir leben? Ich möchte eine Zukunft erlebbar machen und mitgestalten, in der wir uns selbst und anderen Dinge zutrauen, Freude an Vielfalt haben und respektvoll miteinander umgehen, die Wunder der Welt, der Natur entdecken – und sie bewahren.

Freiheit muss geübt werden!

Über einen längeren Zeitraum hinweg hat mich Dr. Andreas Zeuch (die Unternehmensdemokraten), rund um das Thema Lernen nach meinen Erfahrungen befragt. Eine für mich sehr spannende und persönliche Reise durch die Zeit. Die Schulzeit, Ausbildungen, meine Arbeit und der eigene Weg, „Lernen“ neu zu entdecken.

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Fürs Leben lernen? – Digitale Transformation und Schule

Digitaloffensiven greifen zu kurz

Gemeinschaftsartikel (ungekürzt) von Anna-Maria Schirmer / Harald Schirmer für einen Artikel in KUNST + UNTERRICHT (Friedrich Verlag) – Heft 441/442 2020 Bestellnummer 51441 Link zum Heft

Unter dem Druck, Schritt halten zu müssen, werden Schulen mit Smartboards und W-Lan ausgestattet, Schulbücher digitalisiert und Tablet-Klassen eingeführt. In hitzigen Debatten wird um die Einführung neuer Unterrichtsfächer gestritten oder gar vorgeschlagen, das überkommene schulische Lernen im Klassenverbund durch individuelle, passgenaue Lernoptimierung via Internet zu ersetzen. 

Bei allem guten Willen, haftet vielen Bemühungen ein fahler Beigeschmack an, denn selten reicht die Aufmerksamkeit, um hinter die Hochglanzfassaden der schönen, neuen Technikwelt zu blicken und die eigentlichen Notwendigkeiten der Zeit zu reflektieren. Und so läuft manche stürmische Offensive am Kern der Entwicklung vorbei und die Ausstattung mit noch so potentem technischem Gerät greift zu kurz. Wir haben es nicht lediglich mit neuen Werkzeugen, sondern mit tiefgreifenden, alle Bereiche des Lebens umfassenden Veränderungen weit über den äußerlich sichtbaren technischen Fortschritt hinaus zu tun (Burda 2010, 87f.). Wer nur die bisher gehabten Prozesse und Strategien digitalisieren möchte, hat den Kern der digitalen Transformation nicht verstanden. Es gilt, genaue Analysen der konkreten Veränderungen vorzunehmen und daraus diejenigen Erfordernisse abzuleiten, die notwendig sind, um Menschen als Gestalter ihrer Zeit stark zu machen. 

Dies gilt insbesondere, wenn im Streit um Pfründe das vermeintliche Ass aus dem Ärmel gezogen wird, die Wirtschaft brauche Informatiker und Programmierer, ohne algorithmisches Denken stünde man später zwangsläufig auf der Straße und deshalb müsse etwa dem Lernen von Programmiersprachen, Robotik-Kursen und Informatik die erste Priorität eingeräumt werden. Eine ganzheitliche Bildungsidee zugunsten einseitig technisch-rationaler Gewichtungen auszudünnen, ist grob fahrlässig und geht zudem an den Erfordernissen der Zeit und der Arbeitswelt vorbei.

New Work, New Learning – wohin geht die Reise?

Eine der größten Veränderungen jüngster Geschichte durchzieht im Moment alle Ebenen der Gesellschaft und sorgt für radikale Umstrukturierungen in vielen Feldern der Arbeitswelt.

Auslöser dieses, von heftigen Umbrüchen flankierten Wandels ist eine Kombination aus Globalisierung, Automatisierung, politisch-gesellschaftlicher Herausforderungen und veränderten ökonomischen Bedingungen. Diese wiederum fußen auf den technologischen Entwicklungen, namentlich der Digitalisierung. (Kestler/Rump 2019, 176). 

Eine große, nur durch elementare gesellschaftliche Umstrukturierungsprozesse zu meisternde Herausforderung liegt in der zunehmenden Automatisierung von Arbeitsprozessen, denn Roboter und AI übernehmen immer mehr Tätigkeitsbereiche, die zuvor Arbeitsplätze sicherten. Berechen- und steuerbare Prozesse werden in vielen Arbeitsfeldern über kurz oder lang mit hoher Wahrscheinlichkeit von computergesteuerten Maschinen übernommen. Zudem verändern sich viele Arbeitsprozesse durch die wachsende digitale Vernetzung.

Anhand präziser Thesen beschrieb der Wirtschaftspsychologe und Netzwerktheoretiker Peter Kruse den Einfluss, den das Internet auf Gesellschaft und Wirtschaft hat. Er spricht von  Machtverschiebungen, Spontanaktivitäten, Aufschaukelungseffekten und beschreibt damit die Charakterisitik eines nicht-linearen Systems, das sich den tradierten Management- und Steuerungsmethoden entzieht. Was heute in ist, kann morgen out sein, was sich heute gut verkauft, ist morgen vielleicht schon überholt. (Kruse 2010, 69f.)

Durch die Vernetzung und den damit verbundenen Zuwachs an Komplexität, haben wir es in vielen Arbeitsfeldern (und darüber hinaus Bereichen des Lebens) heute mit derart nicht-linearen, schwer steuerbaren Systemen zu tun. Der Manager, der Unternehmensprozesse plant, vorstrukturiert und die kleinschrittige Ausführung dann nur noch überwacht reicht heute nicht mehr. Der Arbeitnehmer, der weitgehend fremdbestimmt jene kleinteilig organisierten Arbeitshäppchen nur abarbeitet und abliefert, ebenso wenig. Es gilt vielmehr zu lernen, mit Unschärfen und Unbestimmbarkeit umzugehen und sich auf permanente Veränderung nicht nur einzulassen, sondern diese verantwortungsbewusst und sinnorientiert mitzugestalten. 

Die Systemarchitektur digitaler Netzwerke hat die Spielregeln der Wirtschaft maßgeblich verändert und bringt neue Formen der Unternehmenskultur hervor. Hinter den Schlagworten New Work, New Leadership, Open Space, Makerspace, Engagement und Empowerment, agiles Arbeiten und Lernen, Design Thinking und ähnlichem stehen Konzepte, welche im Kern darauf zielen, Menschen und Systeme  „Vuca-fähig“ zu machen (Graf, Gramß, Edelkraut 2017, 15f.)

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Abb:  VUCA und die Verschiebung in Bezug auf Arbeiten und Lernen

Das Akronym VUCA  (volatile, uncertain, complex, ambigious ) steht für die Beschreibung der veränderten Rahmenbedingungen, die sich durch die Digitialisierung ergeben. 

In einer Welt, die sich ständig und oft unvorhersehbar verändert, ist Flüchtigkeit und Unfertigkeit (volatility) eine zentrale Kategorie, mit der es umzugehen gilt. Da sich Ereignisse kaum noch prognostizieren lassen, wird Ungewissheit (uncertainty) zum Regelfall, denn bei der hohen Komplexität (complexity) stetig wachsender, hoch vernetzter Systeme, greifen einfache Erklärungsmuster ins Leere. Im hochkomplexen, schnelllebigen und von vielen Unsicherheiten geprägten Umfeld, tritt Mehrdeutigkeit (ambiguity) an die Stelle vermeintlich Klarheiten.

In dieser Dynamik besteht gut, wer durch Veränderungsbereitschaft und Innovationskraft handlungsfähig bleibt. Resilienz und Lernfähigkeit werden auf allen Ebenen zentrale Kategorien, denn es wird angesichts der holprigen und sprunghaften Veränderungen, die weiterhin bevorstehen für den Einzelnen sowie für die Systeme darum gehen, Krisen als Anlass für Weiterentwicklung sehen und nutzen zu können. Auch Initiativkraft und Verantwortungsübernahme sowie die Fähigkeit, Zusammenhänge zu durchschauen und in sinnhafter Weise zu gestalten, werden immer gefragter werden. Die Herausforderungen sind groß, eine Wende zu verantwortungsbewussterer Ökonomie steht längst an (Berners-Lee 2019, 143f.). Eine weiterhin rücksichtslose und kurzsichtig auf Gewinnmaximierung zielende Wirtschaft können wir uns schlicht nicht mehr leisten. Für die Wirtschafsethikerin Sara Spiekermann ist klar, dass eine neue Technologie- und Unternehmenskultur zu entwickeln ist, „die beim verantwortlichen Handeln jedes Einzelnen ansetzt“ (Spiekermann 2019, 365). 

Damit diese, in vielen Bereichen angestoßene Wende gelingt, müssen Bildungsinstitutionen die veränderten Paradigmen wahrnehmen und reagieren.

New Life

Nicht nur die großen gesellschaftlichen Systeme wie etwa die Arbeitswelt sind durch die, sich rasant weiter entwickelnden Informationstechnologien in eine Beschleunigungsspirale geraten, auch das individuelle, persönliche Leben ist in dieses, vielfältige Chancen aber auch Risiken umfassende Universalprogramm involviert. Jeder von uns ist in unzählige Vernetzungen verwoben, die uns Räume scheinbar unendlicher Möglichkeiten eröffnen, zugleich aber unsere Handlungs- und Meinungsfreiheit auch auf manipulative Weise einschränken können. Neoliberale Erzählungen  – nicht selten mit dem euphorischen Klang von Heilsbotschaften versehen – feiern die Freiheit, die sich mit dem Fortschritt automatisch ergebe (Harari 2019, 75): qua neuester Technologien wie BigData und AI gewinnen wir fortwährend Zugriff auf alle Bereiche des Lebens; wir können jederzeit mit beinahe jedem verbunden sein, können uns schier grenzenlos informieren, identifizieren und positionieren. 

Die real entstehenden Möglichkeitsräume bergen viele Chancen. So scheint etwa das viel versprochene und für klassisches Bildungsdenken zentrale Moment der Freiheit tatsächlich zum Greifen nah. Noch nie hatte eine vergleichbar große Menge an Menschen so direkten Zugriff auf Information und Weiterbildung. Eliteuniversitäten wie Harvard bieten beispielsweise Online-Kurse ohne Zugangsbeschränkung an. (https://www.edukatico.org/de/news/mooc-2-0-kurse-aus-regulaeren-studiengaengen )

Zugleich ist Freiheit auch bedroht, wie selten zuvor, denn die Befähigung zur Freiheit wächst nicht automatisch im gleichen Tempo, wie die freiheitlichen Möglichkeiten. Informationsangebote müssen genutzt werden können, Freiräume zur Mitgestaltung machen dann Sinn, wenn Menschen bereit und in der Lage sind, Verantwortung mit zu tragen und zu Gestaltern zu werden. Heute gilt es, das Bildungsziel, Menschen zur Freiheit zu befähigen, ernsthafter und konsequenter denn je zu verwirklichen (vgl. Schirmer 2020).

Neue Möglichkeiten?

Allmählich ist zu beobachten, wie sich im Zug der umfassenden Transformationen in der Arbeits- und Schulwelt neue Lernkulturen über viele Widerstände hinweg entwickeln und etablieren. 

Ein zentraler Aspekt ist die Verschiebung von stark instruierendem, fremdbestimmtem Unterricht zu diversen Beteiligungsformaten. Beteiligung meint dabei, dass Lernende mit ihren individuellen Dispositionen als selbstständiger Konstrukteure des eigenen Lernprozesses ernst genommen werden. Der Gedanke ist freilich nicht neu, sondern lässt sich bis in die Reformpädagogik zurückverfolgen. Dementsprechend finden wir auch in der Kunstdidaktik eine Vielzahl bewährter offener Unterrichtsformen; vom gelenkt entdeckend-forschenden Lernen, über diverse Projektunterrichtsformate bis hin bis zu radikal ergebnisoffenem Werkstattunterricht reicht die Palette der zum Teil auch gut in der Praxis evaluierten Vorschläge. Selbstgesteuertes Lernen und darauf läuft „Beteiligung“ hinaus, befähigt Lernende sukzessive sich eigene Lernziele zu setzen, dafür angemessene Techniken, Inhalte und Strategien selbstständig zu wählen und die eigenen Lernfortschritte zu reflektieren. Digitale Werkzeuge räumen in diesem Bereich neue Möglichkeiten ein, wenn wir zum Beispiel an Formen der kollaborativen Zusammenarbeit denken.

Beispiel für Kollaboration Bildbeschreibung von Dr Lars Zumbansen:

Eine weitere zentrale Kategorie für neue Lernkultur sind Neugier und Sinnorientierung. Nur wer eine echte Frage stellt, macht sich intrinsisch motiviert auf die Suche nach einer Antwort und erwirbt so die Fähigkeit, sich Sinnzusammenhänge selbstständig fragend zu erschließen. Eine fragende, neugierige Haltung ist für eigenverantwortliches lebenslanges Lernen unabdingbar und damit eine Schlüsselqualifikation. Traditionelle Formate der Wissensvermittlung übergehen den zentralen Schritt des Fragenstellens häufig. An dieser Stelle wird auch der Unterschied zwischen Lernen für eine Welt im Zeitalter der Digitalisierung und digitalen Lernprogrammen deutlich. Während ersteres auf größtmögliche Mündigkeit zielt, untergräbt letzteres durch den kleinschrittig vor- und fremdbestimmten Lernweg individuelle Deutungs- und Bedeutungsprozesse. Derartige Lernprogramme mögen in isolierten Bereichen einen guten Dienst tun, komplexe Bildungsprozesse ersetzen, werden sie nicht. (Muuß-Merholz 2019, Kapitel 5)

An die Stelle der Lehrzentrierten Vermittlung statischer Wissenskomplexe, tritt das Lernen durch Aushandlung vernetzter und vielschichtiger Wirklichkeitsmodelle. Konzentrierte sich Wissensvermittlung bislang auf kanonisiertes, in Schulbüchern didaktisch aufbereitetes Wissen, gilt es heute stets, die vielen anderen, häufig sogar leichter zugänglichen Informationsquellen mitzudenken. „Weil es im Buch steht, ist es so“ kann heute nicht mehr überzeugen, offenbart ein rascher Blick ins Netz doch mitunter viele alternative Interpretationen einer Sachlage. Zielgerichtetes recherchieren und das Bewerten von Quellen und Informationen muss geübt und gelernt werden.

Im Schutzraum Schule gilt es, ein gesundes Gleichgewicht zwischen verlässlicher, Orientierung stiftender Bestimmtheit und beweglicher Meinungsgestaltung zu finden, um Schülern das Denken im Fluss der sich permanent ändernden Informationen zu lehren. Ein sicherer Umgang mit Mehrdeutigkeit und Ergebnisoffenheit wird zum Navigationssystem im digitalen Netz der sich überlagernden Informations- und Bedeutungsschichten.  

Letztlich wird Schule Diversität auch in vielerlei Hinsicht viel ernster zu nehmen haben, um auf eine Welt vorzubereiten, die dem Individuum viel größerer Spielräume gibt. Ausgehend vom Eingehen auf diverse Lerntypen, über die Anerkennung diverser auch multikulturell geprägter Sichtweisen und Wertesysteme wird es darum gehen, Perspektivenübernahme, Toleranz und Fremdverstehen nicht nur in den für die Schüler zu beschreibenden Soft Skills zu verlagern, sondern zu gelebter Schulwirklichkeit zu machen.

Kritisch bleiben und Schule verändern

Zweifelsohne bringt die digitale Transformation neue Formen der Wahrnehmung, des Denkens und Kommunizierens sowie der Zusammenarbeit mit sich. Setzt man allein auf digitaltechnische Ausstattung, werden jene Formen sich kaum in sinnvoller Weise entwickeln. „Für Bildungsziele wie Aufklärung und Mündigkeit, Kreativität und Vielfalt, Freiheit und Verantwortung braucht es keine Vereinfachung der digitalen Welt, sondern Ansätze, die das offene Netz umarmen, den Umgang mit Vielfalt und Chaos fördern, selbstbestimmt Aktivitäten und kollaborative Projekte ermöglichen.“ (Muuß-Merholz ebd.) 

Das „umarmen offener Netze“ mag für viele zu weit gehen, die Notwendigkeit, jene durchaus mit langer Tradition versehenen Bildungsziele endlich ernsthafter zu verfolgen, sollte jedem pädagogisch Tätigen indes klar sein. Im technologisch potenzierten „anything goes“, muss um menschengerechten Fortschritt und die diesen befördernde Bildung gerungen werden (Spiekermann 2019). Und deshalb müssen wir uns auch (selbst-)kritisch fragen: 

Erwerben Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit, selbstorganisiert und selbstbestimmt zu lernen und zu arbeiten? Wecken wir Neugier und Entdeckerfreude? Statten wir Kinder und Jugendliche mit der Fähigkeit und dem Impuls Fragen zu stellen aus? Tragen wir dazu bei, aus Kindern resiliente Erwachsene zu machen? Fördern wir eine transversale und kritische Vernunft und bewegliche Denkformate? Ist das Lernen in Sinneinheiten an die Stelle der Vermittlung additiver Wissensfragmente gerückt? Lösen unsere Bildungseinrichtungen das Versprechen, Kinder zu mündigen Menschen zu erziehen ein?

Quellen:

Autoren:

Anna-Maria Schirmer – Bildungswissenschaftlerin, Seminarlehrerin, Autorin…: die-ideenwerkstatt.de und ich 😉

Kunst+Unterricht 441/442, 2020 Best. Nr. 51441

erstmals veröffentlicht: 

Kunst+Unterricht 441/442, 2020 Best. Nr. 51441

LinkedIn Artikel

Fürs Leben lernen? Gemeinsamer Artikel

Gemeinsam mit meiner Frau Anna-Maria Schirmer (Bildungswissenschaftlerin, Seminarlehrerin, Autorin…) entstand ein Artikel für das Fachmagazin „Kunst + Unterricht“: Fürs Leben lernen? Digitale Transformation und Schule.

Fürs Leben lernen - Artikel in Kunst + Unterricht

Wir finden es beide sehr wichtig, die aktuellen Veränderungen längerfristig und vor Allem ganzheitlich zu betrachten. Es ist so spannend, sich aus unterschiedlichen Professionen gemeinsamen Themen zu widmen – vielleicht können wir mit dem Text auch inspirieren, die eigene Filterblase zu verlassen und sich auch mit anderen intensiver auszutauschen. Digitalität geht uns alle an – daher wäre auch ein gemeinsames Verständnis wichtig um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.

Im Artikel geht es um den aktuellen Hype, Unterricht (oder Meetings) einfach per Videokonferenz „scheinbar“ zu digitalisieren, was in unseren Augen nicht nur ein schlechter Kompromiss, sondern auch gefährlich ist.

VUCA und Schule

Frontalunterricht mit minimaler Beteiligung ist seit Langem kritisch zu sehen – durch die fehlende DigitalKompetenz erlebt gerade der jedoch wieder Konjunktur – genau wie die PowerPoint-Vorträge in virtuellen Konferenzen, die mit dem Satz enden: „Noch Fragen? …. ich werte die Stille als Zustimmung“

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Digital Coffee Break – Leading Change Interview mit der GGS

Harald Schirmer, Interview, GGS, HR, Management, Bereits vor ca zweieinhalb Jahren hat mich die GGS (German Graduate School of Management and Law) in meinem Homeoffice besucht und ein Interview aufgezeichnet. Jetzt wollte man wissen, wie sich mein damaliges Thema seit dem weiter entwickelt hat.

Der „Digital Coffee Break“ ist Teil des Kurses: Human Resource Management in the Digital Age – Online Course for Business Professionals.
Hier das YouTube gestreamte Live Interview mit Professor Dr. Andreas Eckhardt mit ein paar Einblicken in unsere auf die Continental Werte basierte Arbeit, Ziele und Erfolge gegeben.

 

Inhaltlich geht es um Erfahrungen aus unserem aktuellen Projekt (mehr …)

Schule NeuGier Führung

Ein erschreckend deutliches Resümee zum gesellschaftlichen Dilemma von Hirnforscher Gerald Hüter.

Ich kann nur zustimmen, dass ich:

  • trotz, nicht wegen unserem Bildungssystem kreativ und NeuGierig bin
  • Demotivierung von Kindern schon im ersten Schuljahr erlebe
  • viele Lehrer kenne, die schon während des Referendariats „aufgeben“ – und zu tiefst unglücklich in diesem System sind
  • Direktoren, denen die Grundprinzipien von „Wertschätzung“ fehlen – wie sollen das Lehrer weitergeben, wenn sie es selbst nie erfahren
  • Lernen als großen Genuß empfinde – erst aber seit ich es selbstbestimmt und auf meine Weise tun kann
  • in vielen Firmen die Diskussion kenne: „Zeugnisse sind nichts mehr wert“
  • schon den Satz erleben durfte: „Wir wissen, dass sie die bestmögliche Besetzung sind, entsprechen aber nicht unseren „bürokratischen Anforderungen“
  • die besten Erfahrungen mit Menschen habe, die schon mal gescheitert sind (quasi als Rebellions Merkmal)
  • Co-Creation meist von den Menschen erlebe, die ihre Rollenprägung überwinden
  • Hierarchie-Abbau nur dort erlebe, wo Führungskräfte Individuen führen und nicht Ressourcen managen
  • oft als naiv bezeichnet werde, weil ich Dinge umsetze, die „nicht klappen können“ (weil es nicht ins Schema passt)
  • erlebe das die Mehrzahl der Manager unseren Mitarbeitern sehr wenig zutraut „die können das nicht“
  • nichts lieber tue, als „Denk-Freiräume“ zu schaffen – um den Reichtum von Diversität zu erleben, nutzbar zu machen

 


Wo der Pfeffer wächst

plakat_wo_der_pfeffer_waechstIn zwei Vorstellungen zeigten Schüler des Schyren Gymnasium Pfaffenhofen am Freitag und Samstag Ihr Stück „Wo der Pfeffer wächst“. Unter Leitung von Anna-Maria Schirmer entstand das gemeinsame Stück, das mit „unglaublicher Inbrunst“ (dieser Begriff war von einigen Zuschauern zu hören) auf die Bühne gebracht wurde. Stefan Daubner hatte zum Stück mit seinen Musikern live begleitet. Es entstanden bedrückende Stimmungen, Spannung, Tragik und das Leben auf einem Schiff und dessen abenteuerliche Reise konnte in eineinhalb Stunden bis hin zur lähmenden Eintönigkeit während der Flaute ohne Proviant und Hoffnung „hautnah“ erlebt werden.

Vorangegangen war ein 10 monatiger, gemeinsamer Weg, in dem alle Details ausgearbeitet und eingeprobt wurden – das Ziel der 2 Aufführungen war für Eltern und Publikum das Eine, die Persönlichkeitsbildung, den künstlerischen Prozess zu erleben, Gruppendynamiken, Disziplin und den Mut in diesem Alter auf einer Bühne zu „schreien“ oder sich auszudrücken, in Rollen zu schlüpfen, die nicht cool oder lustig sind – sicher ein noch beachtlicherer Erfolg (und eigentlich dass, was wir uns von echter Bildung erwarten würden)

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Werbefoto vom 3-tägigen Probewochenende im Haus im Moos

Mich begeisterte wieder einmal die Art und Weise, wie die Schüler in Ihre Rollen eintauchten, selbst, wenn Sie (was in dem Stück sehr häufig vorkam) nicht im Rampenlicht standen. Das reduzierte Bühnenbild wurde mit Lichteffekten, Schattenspielen, und vielen Ideen zum Leben erweckt.

Hier einige Fotos der beiden Vorstellungen:

Wo der Pfeffer wächst
 

 

 

 

Individualisierung = Verdummung?

 

Denk mal mitIndividualisierung: Es ist ein hoch geschätzter Service, eine recht logisch erklärbare Zukunftsentwicklung (wobei diese Zukunft längst Gegenwart ist) und etwas, dass sehr gefährlich ist.

Landläufig wird der Begriff Individualisierung verwendet, wenn man ausdrücken will, dass etwas genau auf eine Person – ein Individuum – zugeschnitten, angepasst oder individualisiert wird. Das klingt erst einmal gut. Ich bekomme das für mich passendste Programm, Produkt, Service oder Angebot. Kein langes Suchen mehr, keine Enttäuschungen, dafür Zufriedenheit.

In Zeiten von Online Shops aber auch die aufkommende Verbreitung von Wearables (Sensoruhren, Fitnesstrackern…) sorgt dafür, das sehr persönliche Informationen und Daten von uns gesammelt werden und für dieses „Serviceversprechen“ genutzt werden.

Wikipedia spricht auf der anderen Seite jedoch vom „…Prozess eines Übergangs des Individuums von der Fremd- zur Selbstbestimmung “ … hier wurde ich stutzig, nachdem ich heute einen tollen Vortrag vom Journalisten und Social Media Experten Matthias J. Lange ( @redaktion42 ) im Rahmen einer Schulveranstaltung zur Elternaufklärung hören durfte.

Selbstbestimmung setzt für mich voraus,
das ich die Kenntnis der vorhandenen Optionen
und Möglichkeit der willentlichen Handlung habe.

Mit dem wunderbaren (mehr …)

Corporate Learning 2.0 MOOC erfolgreich beendet

cl20_logoMit über 1.650 Teilnehmern dürfte es eine der größeren deutschen Bildungsveranstaltungen gewesen sein – diese moderne, offene Lernveranstaltung über mehrere Monate wurde von diversen Firmen aus verschiedenen Bereichen unterstützt. Hier hat Jochen Robes (der auch den lesenswerten „Weiterbildungsblog“ betreibt) ein Resümee gezogen:

Da ich in diesem Beitrag auch mit einem Blogbeitrag erwähnt wurde, möchte ich zumindest in wenige Worten meine Wertschätzung ausdrücken (dort auch als Kommentar) (mehr …)

Zusammenarbeit Bildung & Unternehmen

Viele der Gedanken und Hintergründe zu meinen Texten (und ich bin hier sicher alles andere als Fachmann) über das Thema „Lernen“ kommen von meiner Frau Ich empfinde es als unglaublich spannend genau diesen Blick über den Tellerrand (Sie aus bildungswissenschaftlicher Perspektive mit viel praktischer Schulerfahrung, ich aus operative Anwendung in einer global agierenden Organisationen) gemeinsam zu „üben“.

Grafik von Anna-Maria Schirmer zum

Grafik von Anna-Maria Schirmer zum „Lernen über dem Tellerrand“

 

Eine der brennendsten Fragen, die uns immer wieder beschäftigt, ist die stetige Behauptung, das Unternehmen immer mehr Naturwissenschaften fordern – gleichzeitig Geisteswissenschaften abgebaut werden. In Unternehmen wird jedoch aus meiner Sicht viel mehr Wert auf Eigenständigkeit, Empathie, Respekt, Unternehmertum, Zusammenarbeit, Teamfähigkeit, Kreativität… gelegt. Und hier liegt das große Missverständnis:

stark vereinfacht:

Schulen liefern = Schablone / Anpassung / Einzelkämpfer

Unternehmen wollen = Kreativität / Eigenständigkeit / Teamplayer

 

Hier der Beitrag zum Thema Lernen aus bildungswissenschaftlicher Sicht:

Anna’s Beitrag zum Thema Lernen

 

 

Der Schatten und die Meerjungfrau

Immer wieder begeistert mich, mit welcher Hingabe die Schüler der Theatergruppe am Schyren Gymnasium Pfaffenhofen ihre Rollen unter der Leitung von Anna-Maria Schirmer spielen. Sicher liegt es nicht daran, nur Punkte für ein Fach zu bekommen 😉

Plakat Theaterstück

Plakat Theaterstück

Teamarbeit auf Augenhöhe! Von der Wahl der Stücke, dem gemeinsamen Erarbeiten der Szenen und dem Umschreiben wo notwendig, dem Bühnenbild und den Kostümen, die selbst entworfen und gefertigt werden, Makeup von ehemaligen Schülern, die der Gruppe immer noch die Treue halten, einer engagierten Profitänzerin – die mit Begeisterung Choreographien einübt und diesmal auch Eltern, die nicht nur ihre Freizeit opfern, sondern auch finanziell und mit Engagement dabei sind.

Finale zu Der Schatten und die Meerjungfrau

Finale zu Der Schatten und die Meerjungfrau

Ca. 500 Zuschauer in 3 Aufführungen sahen das Ergebnis dieser einjährigen Arbeit – der Einfluss auf die Beteiligten wird sicher viel länger anhalten.

Für mich jedes mal wieder eine besondere Herausforderung, die meist sehr stimmungsvolle Atmosphäre bestmöglich einzufangen – einerseits auf den Gesichtern der Schauspieler (bei sehr wenig Licht) andererseits das Bühnenbild und die Inszenierung, die mit sehr vielen minimalistischen „Bildern“ arbeitet, die sich aus dem Spiel erst ergeben…

 

 

Angst vor Veränderung?

Heute geht die Welt unter! Seit ca. einem Jahr geht dieses Thema um die Welt. Ich möchte das kurz zum Anlass nehmen, ein wenig die Angst vor Veränderungen zu nehmen.

game over

GAME OVER

Zugegeben, ich liebe Veränderungen – ein Grund, warum ich auch meinen Job so gern mache. Nebenbei hält es jung, flexibel und dynamisch, wenn man sich stetig „Neuem“ oder eben Veränderungen aussetzt. Das können ganz kleine Dinge sein (andere Wege laufen) oder die übliche Anrede bei Begrüßung verändern, aber auch „anstrengendere“ Dinge wie neue Software, andere Geräte oder Hersteller, veränderte Abläufe usw.

Es sieht also so aus, als könnte man, wenn man wollte – alles ändern. Für viele eine Horror-Vorstellung, lieben doch die meisten Menschen (mehr …)

Einladung zum Vortrag

Waldorfschule Vortrag Erdkunde

Waldorfschule Vortrag Erdkunde

Wir möchten im Raum Ingolstadt eine Waldorfschule gründen. Dazu veranstalten wir monatlich Vortragsreihen, um diese stimmige Pädagogik zu erklären und Interessenten zu gewinnen. Sowohl für  Eltern, die diese Schule für Ihre Kinder möchten, als auch Menschen, die dieses Kulturprojekt unterstützen möchten. Im Besonderen suchen wir natürlich ein Gebäude, Helfer und finanzielle Mittel.

12. Oktober, 20:00 Uhr, Neuburger Kasten, Ingolstadt
„Die Bedeutung des Erdkundeunterrichts an der Waldorfschule“
Es spricht Dr. Michael Nies-Steffens, Oberstufenlehrer, Rudolf-Steiner Schule Nürnberg

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IG Waldorfschule Region Ingolstadt

Eine Waldorfschule?

Eine Waldorfschule?

Seit dem 12.04.2010 gibt es die Interessengemeinschaft Waldorfschule Region Ingolstadt, mit dem Ziel hier eine Waldorfschule zu gründen.

Besonders im Vordergrund steht hier eine ganzheitliche Förderung der gesunden Entwicklung des Kindes: „Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen“ (Rudolf Steiner)
Wir werden dieses Projekt gerne unterstützen – wer auch Interesse hat, einfach melden oder die Entwicklung mitverfolgen: