Seite wählen

Ist alles geregelt, sicher, klar und einfach, entsteht Bequemlichkeit
– und das Ende der Menschheit.

Interview Unternehmensdemokraten

Roboter und Softwareprogramme sind dafür gemacht, Regeln zu befolgen, und können das rund um die Uhr in höchster Präzision. Menschen können träumen, verrückte Dinge tun, Kultur schaffen, spirituell sein, Sinn hinterfragen, emphatisch und sozial sein, lieben und Dinge erfinden… unsere Zukunft liegt nicht im programmiert werden, Algorithmen befolgen oder perfekt sein! Warum sind unsere (Schul-/Organisations-/Politik-) Systeme immer mehr darauf ausgelegt, uns unselbstständig zu machen?

Die Zahl der Menschen, die nach Vorgaben und einfachen Antworten ruft, sich und anderen nichts zutraut, scheint zu wachsen.

„Die verstehen das nicht!“
ist Ergebnis langjähriger Konditionierung von „Du kannst das nicht!“

Freiheit ist unbequem, aufwändig und verlangt nach reflektiertem Handeln und Disziplin – in welcher Welt wollen wir leben? Ich möchte eine Zukunft erlebbar machen und mitgestalten, in der wir uns selbst und anderen Dinge zutrauen, Freude an Vielfalt haben und respektvoll miteinander umgehen, die Wunder der Welt, der Natur entdecken – und sie bewahren.

Freiheit muss geübt werden!

Über einen längeren Zeitraum hinweg hat mich Dr. Andreas Zeuch (die Unternehmensdemokraten), rund um das Thema Lernen nach meinen Erfahrungen befragt. Eine für mich sehr spannende und persönliche Reise durch die Zeit. Die Schulzeit, Ausbildungen, meine Arbeit und der eigene Weg, „Lernen“ neu zu entdecken.

Wir leben in einem selbstverstärkenden Kreislauf, in dem immer weniger Menschen an sich glauben, weil Ihre (scheinbare) Sicherheit von außen kommt. Der Titel, Job, das Auto, das Diplom sind äußerliche Artefakte und können in Zeiten des Wandels schnell wertlos sein oder verloren gehen. Die Fülle an Vorgaben, Regeln, Standards macht uns zu konformen „Followern“. Gleichzeitig brauchen wir Kreativität, Unternehmergeist und gelebte Diversität um die komplexen Anforderungen der Gegenwart zu meistern, das setzt jedoch innere Stärke, Freiräume und Risikobereitschaft voraus.

Der laute Ruf nach einfachen Lösungen (eine Mauer, ein Lockdown, ein Impfstoff, einem Helden – der es für uns alles klärt, eine künstliche Intelligenz, die uns sagt, was zu tun ist) ist bei steigender Komplexität (z.B. durch Globalisierung) verständlich. Der Preis für diese Vereinfachung ist Unfreiheit und Zerstörung der Farbigkeit unserer wunderschönen Welt.

Wollen wir wirklich aus Bequemlichkeit das eigene Denken und die Verantwortung über unser Handeln abgeben?

Wir sollten lernen, Komplexität zu gestalten – genau dazu ist der Mensch in der Lage, anders als Software, die nur Kompliziertes vereinfachen und abarbeiten kann. Der Umgang mit Optionen, Offenheit für Möglichkeitsvielfalt, ganzheitliche Betrachtungen und nachhaltiges, umsichtiges Agieren sollten Schwerpunkte unserer Bildungssysteme sein.

Vielleicht kann das Interview dazu inspirieren, LERNEN neu zu entdecken – vielleicht als kleines 15 Minuten Lernfrühstück am Morgen: Sich von seinem digitalen Netzwerk inspirieren zu lassen, Leseempfehlungen von Experten zu folgen, kritische Diskurse zu führen oder die Vielfalt der Welt zu entdecken…

Herzlichen Dank an Andreas für die vielen guten Fragen und Denkanstöße – es war mir eine Freude! Sehr gerne empfehle ich auf den Seiten der Unternehmensdemokraten zu stöbern und sich von der positiven Haltung Menschen gegenüber „anstecken“ zu lassen.

Wenn wir uns mehr zutrauen, werden wir überrascht sein, was wir alles schaffen können

Interview Andreas Zeuch – Harald Schirmer

Zum Interview: