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microlearning by Harald Schirmer

In diesem Artikel stelle ich ein etwas anderes (Basis-)Lern-Konzept „Microlearning“ zur Diskussion, mit dem Lust auf Lernen erzeugt werden kann.

Lernen ist ein riesen Thema in der digitalen Transformation und bei Veränderungsvorhaben. Fast immer geht es in Gesprächen, Konferenzen oder Projekten um Plattformen, Softwarelösungen und Apps… dann machen wir uns Gedanken über Formate und Methoden, worauf wir noch vereinzelt die neuen digitalen Möglichkeiten betrachten.

Was aber, wenn Mitarbeiter & Führungskräfte
gar nicht lernen WOLLEN?

Die Einen sagen, sie haben keine Zeit oder nicken zustimmend, wie wichtig Lernen ist, die Anderen finden „es ist alles zu viel“, der Nächste duckt sich weg (seit Jahren), einer hofft auf die baldige Rente und die Jungen haben doch gerade erst – endlich – Ihren ABSCHLUSS gemacht.

Wer kleinen Kindern beim Lernen zusieht erlebt ENEGIE, FREUDE, AUSTAUSCH, Mitteilungsbedürfniswelche Bilder haben wohl viele im Sinn, wenn sie an Schule, Studium, Ausbildung denken?

Ist der Satz „Lernen ist sehr wichtig“ nur eine Worthülse?
Das bekomme ich als Antwort, wenn ich konkret nachfrage:

Ja Lernen ist wichtig!
Nein, ich habe es nicht im Kalender…
Leider ist alles andere ist wichtiger
🙁

Ich denke an dieser Stelle sollte man sich die Frage stellen: Wie kann Lernen wieder den Stellenwert bekommen, den es verdient? – vor Allem in Zeiten großer Veränderungen, in der es die reine Logik verlangt – besonders viel (und regelmäßig) zu lernen.

Auf der Suche nach Möglichkeiten, Menschen ins „WOLLEN“ zu bringen

Ich habe oft das Gefühl, viele Menschen sind SATT – da ist es egal, welches Tool, Methode oder Format man anbietet.

Zuerst gilt es wieder Appetit zu erzeugen!

Mit „Menschen ins Wollen bringen“ ist natürlich keine Verschwörung oder geheime Konditionierung gemeint, sondern tatsächlich die Lust am Entdecken und Neugier auf das, was die Gegenwart oder Zukunft für uns bereit hält. Wir sprechen dann oft von Intrapreneurship, Experimentieren, Fehlerkultur oder Growth Mindset – es wird aber selten konkret.

Microlearning by Harald Schirmer
Microlearning – wieder lernen wollen!

Auf einer längeren Lern-Experimentier-Reise versuche ich, ein Konzept zu entwickeln, das dafür ganz pragmatisch anwendbar und skalierbar einsetzbar ist.

Besonders im obernen und unteren Bereich der Hierarchie ist Lernen schwer umsetzbar – fehlende Zeit oder Bildungsferne sind besonders vertreten.

Wer als Einstieg mehr zum Hintergrund „wollen statt müssen“ lesen möchte: „Weniger müssen müssen, mehr wollen dürfen

Gerne möchte ich den Ansatz „microlearning“ Teilen um mit Experten und anderen Interessierten diesen gemeinsam weiter zu entwickeln. Vielleicht ist das nicht nur im Unternehmenskontext hilfreich, sondern auch in Schulen oder anderen Bereichen, die sich mit Bildung und Weiterbildung beschäftigen.

Microlearning Facts:

  • Maximal 5 Minuten
  • Regelmäßig als Einstieg in Treffen (z.B. in Meetings, Standups…)
  • Aha Effekt erzeugen „Whow das ist ja einfach und hilfreich“
  • Fokus vor Allem auch auf Führungskräfte ohne Zeit
  • Ziel ist Neugier wecken (Lust auf mehr)
  • Ergebnis / Effekt erlebbar machen (nicht den Weg dahin)
    machen/beweisen! inspirieren, nicht präsentieren!
  • keine Erklärungen, Diskussionen

Microlearning – Inspiration & Aha Momente

Mit „Microlearning“ möchte ich Menschen wieder
für das Lernen begeistern:
durch Neugier-Erweckung,
erleben von SelbstWirksamkeit
und den Möglichkeits-Sinn fördern

In maximal 5 Minuten soll ein „Aha-Moment“ entstehen, der durch ZEIGEN eines Ergebnisses entsteht.

Ziel ist es die Hürde zu lernen so niedrig zu halten, dass jeder sehr schnell in eine gefühlte „Selbstwirksamkeit“ kommen kann („Das schaffe ICH auch!„)

Während es bei den üblichen Lernhappen darum geht, kleine WissensEinheiten zu vermitteln, sollen Microlearning nur Lust auf mehr machen.

Nicht STOFF vermitteln,
sondern LUST erzeugen

Microlearning sollten in einer Regelmäßigkeit als Ritual eingeführt werden. Empfehlenswert sind wiederkehrende Termine (Meetings, JourFix, Standup..) an deren Anfang der 5 Minuten Impuls gesetzt werden kann.

Wichtig: Es wird NICHT diskutiert, Voraussetzungen erläutert oder in den 5 Minuten Fragen beantwortet – nur der Impuls (eventuell ein Wunsch fürs nächste Mal) – dann raus.

Wer Fragen hat, oder Hilfe beim Setup benötigt, holt sich das individuell (oder als Gruppe) im Anschluss. Das mag nicht sehr effizient klingen, ist aber höchst effektiv – also nachhaltig und ganzheitlich wirksam.

Durch die individuelle Betreuung im Anschluss (auf Wunsch) wird in der Regel auf beiden Seiten deutlich mehr gelernt, es entsteht zudem ein Vertrauensverhältnis.
Während des Microlearning im Rahmen des Termins ist die Gruppe meist zu divers – die einen sind Nicht interessiert, schnell überfordert, die anderen gelangweilt, wieder andere wollen zeigen, das es nicht geht…..) – verliert man sich in Diskussionen, Rechtfertigungen oder Erklärungen, bleibt ein schlechter Eindruck, die Zeit wird überschritten – was dann dazu führt, nicht mehr eingeladen zu werden.

Microlearning erstellen:

Es ist nicht ganz einfach, einen – für große (diverse) Zielgruppen – maximal relevanten Inhalt so zu zeigen, dass der gewünschte Aha Effekt entsteht.

Es hilft zu zuhören: was erzeugt oft Ärger – welche echten (kleinen) Probleme kann man lösen? Dinge die als besonders aufwändig oder nervig empfunden werden oder Möglichkeiten ohne großen Aufwand ein Ergebnis zu verbessern sind ideal – gerade dass ist mit digitalen Möglichkeiten oft sehr gut darstellbar.

Wichtig ist nicht die Weltformel zu suchen, sondern sehr kleine Dinge. Beispiele sind versteckte (neue) Funktionen, Abläufe, die man vereinfachen kann, Tastenkombinationen oder wie man etwas schneller findet, wie man für ungestörte Arbeitszeit sorgen kann, konkrete Untersützung bekommt…

Das Ziel ist, dass keine Erklärung notwendig ist, warum das Gezeigte Sinn macht – die besten Microlearning begeistern durch das pure Vorführen, was möglich ist.

Microlearning sammeln:

Gemeinsam geht es einfacher! Wer ein ESN (Enterprise Social Network) hat, kann über Foren oder Wikiseiten (je nach Reifegrad) gemeinsam Microlearning Ideen sammeln und teilen. Support Foren sind dabei eine große Inspiration, weil dort über reelle Probleme diskutiert wird. Oft sind es nicht die Antworten, die als Microlearning perfekt sind, sondern die kleinen Tipps auf dem Weg zur Antwort. „Probier mal das“… oder „kennst Du schon diese Funktion“ sind tolle Indikatoren für Inspirationen.

Microlearning Videos:

Durch die Kürze eignen sich die Microlearning perfekt für kleine, selbsterstellte Videos – Bildschirmaufzeichnung geht mit Desktop, Notebook, Tablet und Smartphone heute problemlos – damit sind die Microlearning Videos zeitlich unbegrenzt und ortsunabhängig nutzbar. Es empfiehlt sich per Tagging eine sinnvolle Struktur anzubieten oder Einstiegsseiten zu erzeugen, die in Stichpunkten die Inhalte auflisten.

Zwischenfazit – Umsetzung:

Seit einigen Monaten sind die Microlearning weltweit bei Continental I m Einsatz, sehr wirksam in Abteilungsmeetings, Führungskräfterunden, im Revers Mentoring, als globale Lern-Inspiration oder als Video in unserer aktuellen #Passion2Learn Campagne. Es wurden relativ schnell weit über 100 Microlearning gesammelt, beschrieben oder als Video skalierbar geteilt.

Rückmeldungen (sehr viele!!) sind durchwegs sehr wertschätzend, ermutigend und beinhalten oft weitere Tipps, Ideen, Fragen oder Themen, die als Basis einer koninuierlichen LernReise dienen können.

Eine Lern-Kultur
braucht einen öffentlichen Raum,
in dem LernLust und Mehrwert

spürbar werden können

Enterprise Social Networking ist hervorragend geeignet, Microlearning anzubieten und über Likes und Kommentare diese zu bewerben bzw weiter zu entwickeln.

Auch die „physische“ Live Umsetzung am Beginn von regelmäßigen Meetings hat nicht nur die Wirkung „Neugier“ zu erzeugen, gleichzeitig verbessern sie vielerorts das Meeting-Klima, weil sich der positive „Möglichkeits-Impuls“ leicht auf andere Themen überträgt.

Wer die Microlearning präsentiert gewinnt auch an Reputation (man umgibt sich gerne mit Lösungsanbietern)

Auch rollierende Übernahme der Microlearning wird schon erfolgreich umgesetzt – dabei ist bei jedem Termin jemand anders (freiwillig!!!) – on stage.

Inzwischen entstehen überall neue Formen und eigene Produktionen, die sich Fach-spezifisch bzw. Länderkulturangepasst verbreiten.

Resümee bisher:

Neben Tools, Methoden und Formaten ist für mich das Thema Neugier erzeugen, Lust am Lernen und das „Growth Mindset(Wachstumshaltung bzw. was mir als Übersetzung besser gefällt ein MöglichkeitsSinn) zu kultivieren, eine sehr relevante Grundlage um gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Dabei ist vor Allem eine Fragende Haltung (Offenheit) notwendig, die durch sichtbar machen von leicht zu schließenden Wissenslücken gelingen kann.

Hinzu kommt Menschen jeden Alters und Bildungsstand das Gefühl (die Sicherheit) zu geben, Lernen zu können. Diese Selbstwirksamkeits-Erfahrung steigt schnell, wenn man in kleinen Schritten aber kontinuierlich Lernen ritualisiert – am besten täglich.

Für all dass erscheint mir
dieser kleine Ansatz „Microlearning“
sehr wirkungsvoll,
weil er durch seine Kürze und Leichtigkeit
einen Großteil des Balasts alter Erfahrungen umgeht.

Eure Fragen und Ideen?

Was fehlt, was ist unklar, was sollte besser beschrieben werden?

Eure Meinung?