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Als Antwort auf den lesenswerten Post „…schon wieder gescheitert“ von Stefan Lapenat auf LinkedIn hier meine Erfahrungen mit der Angst zu Scheitern und wie man diese verändern kann.

Woran scheitern wir?

Eine Art, sich vor dem Scheitern zu schützen, in dem man gar nicht erst Neues beginnt, bezeichne es gerne als „gelernte Selbwirksamkeitslosigkeit“ – aufgeben, bevor es richtig los geht. Ob es im Einzelfall Angst vor dem Scheitern selbst, vor dem Anders sein, nicht angepasst sein, sich erklären zu müssen, es nicht zu schaffen, nicht schnell genug/gut genug/außergewöhnlich genug ist, es nicht gut „verkaufen“ zu können mag variieren. Viele sind mir auf meinem Weg begegnet, die resigniert haben – assimiliert von einem Wachstums/lean/fehlerfrei-System. „Ich kann eh nichts ändern“. Selbst in Kursen und Trainings wurde in Vorstellungsrunden unisono angegeben: Was kann ich schon bewirken… wie traurig!

Angst vor dem Scheitern

Ich werfe hier bewusst 2 Dinge in einen Topf: Veränderung und Lernen, weil es für mich sehr ähnlich ist. Beides braucht den Mut, etwas Bestehendes in Frage zu stellen, es zu verlassen um etwas neues/anderes zu entdecken.

Rückblick – eigentlich sind wir ganz anders!

Als Kinder machen wir uns schamlos neugierig einfach auf den Weg (Entdeckend forschendes Lernen mit viel Scheitern und steiler Lernkurve) Wir fallen oft, holen und blutige Nasen, machen uns lächerlich, probieren Dinge immer wieder, geben nicht so schnell auf – selbst wenn man uns sagt: Du schaffst das (noch) nicht, Du kannst das nicht, das geht nicht…

Individualpsychologe Alfred Adler erklärt uns dazu:

„Das beim menschlichen Säugling aufgrund seiner Hilflosigkeit vorhandene Minderwertigkeitsgefühl sah Adler als positiven Antrieb für Wachstum und Entwicklung und führte die Erziehbarkeit des Menschen darauf zurück. Erst negative Faktoren in seiner Entwicklung verändern das positive Minderwertigkeitsgefühl zu einem entwicklungshemmenden Minderwertigkeitskomplex“

aus Wikipedia

Hier noch ein sehr passendes Zitat:

„Die größte Gefahr im Leben besteht darin,
dass Sie zu viele Vorsichtsmaßnahmen treffen.“

Alfred Adler

Wirkung von Schule und vereinheitlichtem Leistungs- „Lernen“

Dann wird uns erklärt, wie man richtig lernt:

  • effizient
  • geradlinig zielorientiert
  • am Schreibtisch, in aufrechter Haltung
  • ohne Ablenkung
  • allein

– und dass man danach sein Wissen in Prüfungen beweisen muss: mit dem Ziel endlich einen Abschluss zu bekommen – fertig.

Abschlüsse bieten äußere Sicherheit, die ist aber vergänglich, wenn der Job nicht mehr notwenig, die Kompetenz nicht mehr gebraucht wird. Erleben, Verstehen und Experimentieren baut innere Sicherheit auf, da mit niemand mehr nehmen kann, was ich selbst erfahren oder erreicht habe.

Lernanstalt
LERN Anstalt

Später kamen dann noch Assessments oder Eignungstest dazu, die schon vorab das Potential „festlegen“ – rentiert es sich überhaupt zu investieren? Nicht zuletzt kommt noch der soziale Druck „was denken die Anderen über mich?“ „Wenn ich es nicht schaffe, weiß es jeder“ dazu.

Ein Etwas anderer Weg: Zutrauen und Ermutigung

Es ist ein Unterschied zu sagen: „es ist OK zu Scheitern“ oder die neue „Fehlerkultur“ auszurufen ( Wie glaubwürdig kann es sein, nachdem man Jahrzehnte – verständlicherweise um Gute Produkte zu liefern – 100% Fehlerlosigkeit/Qualität als höchstes Ziel definiert hat ) oder die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass Scheitern ein wertvoller Teil eines mutigen Lernprozesses oder einer Veränderungsreise ist.

GUIDE training Indien
GUIDEs lernen in Indien

Seit ich viele dieser Zwänge, Prüfungen, Vorschriften entfernt und den Fokus wieder auf Freude am Probieren, Austauschen von halbfertigen Erfahrungen, Lust und Neugier und Wertschätzung von kleinen Schritten gelegt habe, sind schon über 3000 Menschen aus 50 Nationen, verschiedensten Bildungs“Stufen“ diesem Weg gefolgt. Nicht einem klar umrissenen Lernziel, sondern einer Entwicklungsvision.

Ein wichtiges Element in diesen Lernreisen ist das „Aufgaben-basierte, gemeinschaftliche Lernen“. Der Fokus liegt dabei, das Thema UND SICH zu erleben. Ob in Rollenspielen, im experimentieren oder bearbeiten von Mikro-Projekten, die allesamt aber sinnvoll und einem höheren Ziel gewidmet sind. Nichts soll „nutzlos“ sein, daher gibt es auch keine „Test-Orte“, die im Anschluss gelöscht oder weggeworfen werden. Das Lernen findet im ESN statt und sorgt damit für nachhaltige Dokumentation und Marketing. Blamieren, Schämen oder Scheitern im negativen Sinn wird durch wertschätzende Co-Creation verhindert. Positives Scheitern durch Reflexion und Zusammenfassungen/Empfehlungen für Andere wertvoll gemacht.

https://youtu.be/DcDDx9Vl2Pc

Im ersten Schritt begleitetem „Social Learning“ (Organizational Change, Working Out Loud, Digital GUIDE Programme, Digital Leaders and Assistant Programme) um dann in ein „selbstgesteuertes“, freies, selbstverantwortliches Lernen zu kommen, wie es Jane Hart schon 2010 beschrieben hat. Dabei unterscheiden sich für mich die letzten beiden Stufen durch „guided“ in der 4. Stufe was unsere begleiteten Enabling-Programme sind zum selbst-gesteuerten, freien Lernen – beides auf Basis von Social Tools (ESN, Sozialen Netzwerken) um Austausch, Wertschätzung, Skalierung und kollektive Intelligenz zu ermöglichen… im Kern auch das Gefühl zu stärken: „Ich bin nicht allein“

Als „Nordstern“ oder roten Faden empfehle ich gelebte Werte!

Diese geben Orientierung und sind großartig, um sich und die Programme immer wieder zu hinterfragen – sind wir Werte-Konform. Deshalb vertrete ich Lernen auf Basis unsere Werte bei Continental: Vertrauen, Verbundenheit, Freiheit und Gewinnermentalität – jeder Wert muss in den einzelnen Lernangeboten aber auch dem Gesamtkonzept spürbar/erlebbar sein!

Im aufgabenbasierten Lernen werden die Werte zum Beispiel so integriert:

Freiheit: ein Teil der Lernaufgabe ist nicht vorherbestimmt und kann nach eigenen Ideen umgesetzt werden – also nur ca 3/4 der Umsetzung sind vorgegeben… das fördert den Perspektivenreichtum und wir selbst lernen sehr viel dabei – auch das Umfeld lernt so mit Komplexität und Optionsvielfalt umzugehen – ein „richtig oder falsch“ gibt es nicht.

Verbundenheit: jede Aufgabe hat einen Teil, der gemeinsam zu lösen ist. Im genannten Rollenspiel, im gegenseitigen lehren/lernen/präsentieren, als Gruppenaufgabe, PeerCoaching oder Lernteam.

Vertrauen: Wir prüfen nicht, es gibt keine Tests oder Leistungsfeststellung. Unser Ziel ist es durch Neugier erzeugen und persönlicher Relevanz die intrinsische Motivation zu steigern, selbst besser werden zu wollen. Wenn das gelingt, wären standartisierte Tests nur demotivierend und vor Allem den Individuen respektlos gegenüber. Es findet zudem durch die transparente Lernweise eine stetige Sichtbarkeit der Lösungswege, Beteiligung und Ergebnisse statt.

Gewinnermentalität: Durch sinnhafte, wertschöpfende Aufgabenstellung, die erkennbaren Mehrwert für sich und das eigene Umfeld (oder die Organisation bzw. darüber hinaus) bringt, sind unsere Teilnehmer in der Regel stolz auf Ihre Leistungen und werden dafür gefeiert – im Kleinen und im großen Stil. Das sorgt in Kombination mit der Wertschätung und Solidarität (Netzwerk) nicht für Wettkampf gegeneinander, sonder für Passion, das Thema bestmöglich zu lösen.

Damit laden wir die Willigen und erMUTigen ein, mitzuspielen, Ihre Möglichkeiten zu erleben, Qualitäten zu entdecken und zu fördern (oft liegen die nicht in der aktuellen Rolle) und ihre/unsere emotionale Sicherheit zu steigern.

Die Ergebnisse sind beeindruckend
– wenn man darf, was man will
statt zu müssen was andere erwarten.

Besonders hilfreich ist bei Vielen, wenn ICH/Wir zu Beginn die Verantwortung für mögliches Scheitern – proaktiv – übernehme/n.

Scheitern braucht heute in meinen Augen ein soziales Wertschätzungs-Sicherheitsnetz, oder sehr viel Selbstbewusstsein. Wir schaffen wieder die Lern-/VeränderungsRahmenbedingungen, die wir als kleine Kinder haben – das Ergebnis:

  • steile Lernkurven
  • Selbstvertrauen
  • Selbstwirksamkeitserfahrung
  • Mut
  • Risikobereitschaft
  • FREUDE
  • Dankbarkeit
  • Solidarität
  • Gemeinschaftsgefühl

… neben dem notwendigen Erfolg der Projekte.

WIR Gefühl
WIR Gefühl – #WIRgewinnt

Lust wieder schamlos zu lernen wie unsere Kinder?

Es ist in uns allen… lasst es uns wieder ermöglichen… dann wird Scheitern wieder zu einem natürlichen Bestandteil von experimentieren, nicht um Wissen zu konsumieren, sondern Erkenntnis zu erlangen.. sich nachhaltig, ganzheitlich, sinnhaft (weiter-) zu bilden.