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„Ich habe keine Zeit“ dürfte mit das größte Problem unserer Wirtschaft/Gesellschaft sein. Organisationen sind überbeschäftigt mit dem Tagesgeschäft und all den Veränderungen. Wie sollen wir da noch zusätzlich all die neuen Werkzeuge, Formate und Methoden lernen. Unzählige neue Möglichkeiten – aber

wir sind im Strudel des „Information Overflows“
und in stetig geschürter Angst gefangen.

Transformation bedeutet Lernen, neue (digitale) Märkte, neue Herausforderungen (Klima, Ressourcen, Demografie…) sind nicht mit den Werkzeugen, Organisationsformen und Methoden der analogen, lokal-zentrierten Welt lösbar.

Wir brauchen dringend Zeit zum Lernen, Nachdenken, Diskutieren, Meinung bilden, Ausprobieren und vor Allem zum ÜBEN um im „Neuen“ wieder professionell, sicher und effizient zu werden.

In diesem post einige konkrete Tipps für mehr Zeit:

Dilemma-Kreis Transformation
Keine Zeit zum Lernen

Nur woher kommt diese Zeit?

Hier kommt die gute Nachricht:

Das Versprechen von New Work
und der digitalen Transformation ist genau das:
MEHR ZEIT

Wer digitale Werkzeuge sinnvoll nutzt, wer moderne Kommunikationsplattformen versteht und aktuelle Kollaborationslösungen wirksam einsetzten kann – spart:

  • enorm viel Zeit (durch weniger Abstimmungsbedarf, schnellere Umsetzung, direktere Ansprache, Automatisierung, Delegation an Bots+++)
  • (reduziert) Widerstand (in Veränderungsprojekten z.B. durch Transparenz und Beteiligung)

und steigert gleichzeitig:

  • Innovation (weil hoch-vernetzt, schnell lernend und früh erkennend)
  • Qualität (weil früher mehr Perspektiven eingebunden sind = Reichtum an Diversität)
  • nachhaltigere Wirkung (weil kaum noch zusätzliche Dokumentation notwendig ist)
  • höheres Engagement aller Beteiligten (New Work ist Sinn und Kompetenzbasiert – nicht statisch rollen-orientiert)
  • Mitarbeiterbindung weil sich soziale Systeme gegenseitig helfen und diesen Wert behalten wollen

Wie durchbrechen wir den Dilemma-Kreis?

Damit all das (innerhalb der verfügbaren Zeit!) möglich wird, ist es notwendig, andere Dinge zu reduzieren, loszulassen oder „mit weniger Aufwand aber wirksamer“ zu tun.

Tipps zum „sofort anfangen“:

  • Individuell ein tägliches 10 Minuten (Social) Lernfrühstück – vernetzen, sich inspirieren lassen, Innovationen kennen lernen, im ESN, LinkedIn, YouTube > so gehts konkret
  • Microlearning (5 min max) in regelmässigen Terminen > so gehts konkret
  • Eine Stunde wöchentlich im Peerlearning Modus (Team/Abteilung) Lernzeit reservieren (z.B jede Woche übernimmt jemand anders ein Thema, Gastreferent oder gemeinsamer WOL Circle)
  • Abstimmungsmeetings durch asynchrone Kommunikation ersetzten:
    • Fragen werden im Chat gestellt und beantwortet (like wird als Zustimmung verwendet, Kommentar für Nachfragen)
    • Informationen werden NACHHALTIG im Blog (oder wenn geheim im Chat) geteilt (like bedeutet hier: „habe es gelesen und verstanden“, Kommentar für Klärungen
    • Status wird im Blog, als Podcast, Video etc geteilt und thematisch getaggt
  • „Standard-Vorgaben“ für Meetings ändern: statt 30 oder 60 Minuten im Tool auf 25 oder 50 Minuten reduzieren
  • Fragen per eMail (die vermutlich nochmal gestellt werden könnten oder andere interessieren) werden im ESN (anonymisiert) beantwortet und sind dadurch nachhaltig verfügbar – bei erneuter eMail Anfrage – nur noch den Link schicken
  • UM HILFE BITTEN! Wie viel Zeit verbringt Ihr dabei, selbst herauszufinden, wie etwas funktioniert (und ob), wo ein Dokument liegt, oder was alles zu bedenken ist?
    • Netzwerk aufbauen und dort (ESN) um Hilfe bitten
    • Foren benutzen – das verbindet nebenbei und sorgt für eine gesunde Kultur
    • Wertschätzung geben, wenn Ihr Hilfe bekommen habt (Likes, Kommentar)
    • Ergebnis der Hilfe dokumentieren (Blog) – so gehts konkret
  • Transparenz durch SHARING erhöhen! Auf Basis eines Netzwerkes (folgt anderen, vernetzen – so gehts konkret) teile ich Entscheidungen, Fortschritt, Probleme und den Status von Projekten, Initiativen und Aufgaben. Der „Zufall“ kann dadurch wirksam werden und mir Kontakte oder Inhalte zuspielen, die wertvoll, relevant und hilfreich sind – was mir wieder Zeit spart oder das Ergebnis verbessert – nebenbei helfe ich damit allen anderen in ähnlichen Situationen (und das Beste: dieses Soziale Verhalten „über die digitale Schulter schauen lassen“ (manche nennen es Working Out Loud) ist ein essentieller Baustein für eine positive Unternehmens- und Lernkultur – besonders bei physischer Distanz durch Homeoffice oder internationaler Zusammenarbeit) – so gehts konkret
  • Wiederkehrende Arbeiten reduzieren:
    • alles was regelmäßig gemacht werden muss: automatisieren (ja, auch das eMail Postfach!!!) – Du weißt nicht wie? siehe oben: um HILFE bitten
    • Reporting nicht mehr in Excel / Powerpoint sondern in Dashboards – so gehts konkret
    • laufende, zyklische Prozesse hinterfragen: „Was macht die Zielgruppe damit, kann man reduzieren“ (seltener, weniger, kleiner…)

Mit Freude und Energie gestalten statt Burnout-Spirale!

Mir ist es wichtig, dass es hier nicht um klassische Effizienz-Steigerung geht. Es ist wichtig, die durch Reduktion und Wirksamkeitserhöhung erreichte Zeit-Ersparnis nicht sofort wieder durch mehr Arbeit zu verlieren, sondern diese

„gesparte Zeit“ DAUERHAFT
in die eigene Bildung zu investieren.

Minimum 10% – was bei 40 Arbeitsstunden 4 Stunden pro Woche sind, wären ein sinnvolles Ziel.

Wer „nur“ klassische Effizienzsteigerung betreibt, ohne die Zeit für Lernen und Üben blockt und verteidigt, läuft zwangsläufig in die Burnout-Spirale … immer mehr, immer schneller – bis die Energie ausgeht.

Das ZIEL sollte es aber sein,
mit weniger Arbeit, mehr zu erreichen
um damit Flexibler zu werden.

Aus dem „re-agieren“ wieder in ein Gestalten zu kommen. Eine nachhaltig gesunde Arbeitsweise zu etablieren.

Wer soll damit anfangen – wir brauchen Vorbilder

So gerne zeigen wir mit dem Finger nach oben, warten auf die HeldInnen oder rufen nach Vorgaben des Staates oder der Vorstände. Ich finde es wichtig zu verstehen, dass es hier nicht (nur) um das Interesse von Wenigen geht, nicht um Umsatz-Steigerung oder Veränderungen, wie wir sie die letzten 50 Jahre als „kontinuierliche Verbesserung“ erlebt haben.

Es passiert gerade die größte Veränderung unserer Menschheitsgeschichte. Wir haben erstmalig die Möglichkeit mit ALLEN zu sprechen, wir sind erstmalig gefordert die GESAMTVERANTWORTUNG für diesen Planeten zu übernehmen, wir sind erstmalig damit konfrontiert „uns auszulöschen“. Gleichzeitig gab es noch nie eine dermaßen hohe INNOVATIONSGEWSCHWINDIGKEIT – in allen nur denkbaren Bereichen.

WIR BRAUCHEN DICH ALS VORBILD!

Es gibt niemanden, der diesen Zustand kennt oder weiß, wie wir erfolgreich sein können. Aber es gibt 8 Milliarden Menschen, die leben wollen und immer mehr verstehen, dass das nur durch eine Kombination aus Einzelanstrengung und Gemeinschaft lösbar ist. Es kommt auf uns alle an! #WIRgewinnt dann, wenn Individuen beginnen.

Zu groß gedacht? Dann gerne kleiner: DU solltest das Vorbild werden und sein – für andere, für dein gestriges Ich. Wer etwas herausfindet, teilt es. Wer helfen kann hilft, Wer Struktur braucht – überlegt NEUE Strukturen, wer groß denken kann – tut es, und redet darüber.

Eltern sind Vorbilder für Ihre Kinder, Führungskräfte sind Vorbilder, TrainerInnen, Geistliche oder AmtsträgerInnen … was wir tun und wie wir es tun wirkt – wenn wir es sichtbar machen.

Ein langfristiges Ziel

Es mag für Viele heute undenkbar scheinen, ich glaube aber daran, das unsere Arbeitswelt auch ganz anders aussehen kann. Wie wäre es z.B. mit nur 4 statt 8 Stunden zu arbeiten, nur 3 statt 5 Tagen, oder ohne die „Zeit“ überhaupt als zentrales Kriterium zu fokussieren, sondern z.B. die (nachhaltige) „Wirkung“, das „Ergebnis“ oder die „Reduktion“ als Hauptziel.