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WisR Talks Podcast mit Harald Schirmer

Magdalena Vachova und Klaudia Bachinger haben mich vor einiger Zeit zum Podcast-Gespräch bei WisR eingeladen. Eine gute Stunde gehts um Veränderung, Lernen und wie man Wirkung erzielen kann. Die Fragen und freundliche Moderation waren sehr inspirierend, was mich zum Teilen meiner Erfahrungen eingeladen hat.

Auch sehr persönliche Fragen wie z.B. „Wie bleibt man selbst motiviert“ oder wie man mit dem Widerstand der Menschen in der Organisation umgeht, werden besprochen. Ein wichtiges Thema ist der Umgang mit Komplexität. Logisch-Kopf-orientierte versus Emotionaler Verarbeitung von komplexen Situationen.

  • Welche Werkzeuge, Methoden, Formate sind für komplexe Fragen geeignet?
  • Woher kommt Stabilität in Dynamik?
  • Wie lernen wir mit Optionen umzugehen?

Da ich selbst Komplexität „liebe“ werfen wir einen einerseits ganzheitlichen und zugleich detaillierten Blick auf die einzelnen Projekte und Aktionen.

Das Cynefin-Framework ist hier ein guter Ansatz:

  • EINFACH bedeutet, dass die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung für alle offensichtlich ist.
  • KOMPLIZIERT bedeutet, dass es Analyse oder Expertise zur Lösung erfordert.
  • KOMPLEX erlaubt es meist erst im Rückblick Ursache Wirkung Beziehungen zu erkennen, es ist nicht planbar und von vielen (sich ändernden) Rahmenbedingungen abhängig.
  • CHAOS meint keine erkennbare Beziehung zwischen Ursache und Wirkung

Die bisherige taylorisitsche Arbeitswelt hat Komplexität weitgehend ignoriert und als Kompliziert eingestuft. Damit war es dem Management möglich „komplizierte“ Sachverhalte in „einfache“ zu übersetzen. Daraus entstanden Rollen, Regeln und Prozesse, die dann „nach unten“ delegiert werden konnten, davon ausgehend, dass die Mitarbeiter nicht in der Lage sind mit Komplexität umzugehen.

Grundsätzlich ist Vereinfachung eine gute Idee. Heute wissen wir jedoch, dass die Lösung eines Problems nicht „einfacher“ sein kann, als das Problem selbst. Ist das Problem also komplex, ist Vereinfachung fatal.

Hinzu kommt die falsche Einstufung von Aufgaben/Problemen. Der Begriff „HR (Human Resources)“ ist ein tolles Beispiel dafür: MitarbeiterInnen werden nicht als komplexe Individuen eingestuft, sondern als „komplizierte“ Ressourcen. Damit konnte man sie beplanen: Von 8:00 – 16:00 Uhr an vorgegebenem Ort, mit vorgegebenen Werkzeug einen vorgegebenen Prozess abarbeiten.

Gerade aktuell mit Hybrid Work wird immer deutlicher, dass es keine „One-Size-Fits-All“ Lösung mehr für Arbeitsort, Arbeitszeit oder Dauer gibt. Ganz im Gegenteil, viele Organisationen haben verstanden, dass die Führung nicht mehr in der Lage ist mit der Dynamik und Komplexität von VUCA alleine umzugehen – es braucht den Reichtum aller Mitarbeiter – die nicht nur Arbeitsleistung einbringen sollen. Mitdenken und „Ownership“ braucht Freiheit – spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass es dann keine einheitlichen Lösungen mehr geben kann.

Ich hoffe mit meinen Erfahrungen wieder zum Nachdenken oder Diskutieren anzuregen

Listen to „Change Agent Harald Schirmer: „Mit 95 Jahren könnten wir noch Chinesisch lernen““ on Spreaker.