Seit Jahren wird in Unternehmen auf Konferenzen und in Workshops über die Qualität von Suchmaschinen, Ihren Ergebnissen und der Unzufriedenheit der Nutzer diskutiert. „Bei Google geht es doch auch“ ist oft der lapidare Hinweis mit der Forderung, doch eine bessere Suchmaschine einzuführen. Irgendwann führen Unternehmen dann die von Google angebotenen SuchAlgorithmen ein… und sind enttäuscht, weil es zwar vielleicht etwas schneller geht und das Interface bekannter wirkt – aber es ändert oft wenig am Ergebnis.

Content – Internet versus Organisationen:

Es gibt kaum noch Unternehmen, die kein Intranet hat. Auch sind Dokumentenmanagement Lösungen schon lange sehr verbreitet – dennoch steht der Aufwand etwas dort „einzufüllen“ in keinem Verhältnis zum Nutzen, wenn jemand etwas braucht. Hier sind die in meinen Augen größten Gründe:

  •  Sender – Empfänger Problem (es wird aneinander vorbei dokumentiert)
  • Intranet Promotion – „Gut da stehen“ – Problem (Neben den puren Fakten findet man meist „Werbung“ für Abteilungen, Services oder positive Informationen. Gesucht werden aber Problemlösungen, Antworten auf unbequeme Fragen)
  • Schutz vor Rückfragen / „Angst vor Fehlern“ Dokumente (Verklausuliert, ohne Ansprechpartner, versteckt in Unterordnern oder mit Berechtigungen geschützte Verzeichnisse)

Das ist natürlich in einem Kontext, in dem es um Karriere geht, um „abarbeiten“ von Prozessen und Lean-Effizienz Fokus kein Wunder. Schnell, fehlerfrei arbeiten und dafür sorgen, dass jeglicher Zusatzaufwand vermieden wird. Hier kann man niemanden einen Vorwurf machen, seinen Namen nicht anzugeben, oder Begehrlichkeiten bzw. ein mögliches „Wunschkonzert“ durch Sichtbarkeit zu verhindern. Kurz – es gibt wenig relevantes zu FINDEN

In der neuen Arbeitswelt, wo es auf Reaktionszeiten, lebendiges Wissen, Beteiligung und Transparenz ankommt, ist diese Kultur „Mein Wissen und möglichst gut dastehen“ wenig erfolgreich.

Im Internet wird geteilt, erzählt, gestreamt, dokumentiert, kommentiert, bewertet, geliked – um Reputation aufzubauen und Wertschätzung zu erhalten (bei den Wenigsten in finanzieller Form). Hier wird über Fehler gesprochen, hier werden Prozesse sichtbar gemacht, Reparaturvorgänge gefilmt, kritisch Produkte und Services getestet und alles Mögliche miteinander verglichen. Kurz – es gibt unendlich viel zu FINDEN

Während also im Internet eine Suchmaschine wie Google hauptsächlich „unrelevantes filtern“ oder wegsortierten muss, müsste eine Suchmaschine in Organisationen „Menschen zum Teilen animieren“.

Resümee:

Wir sollten die Diskussion in Unternehmen über die Qualität von Suchmaschinen eine Weile hinten anstellen und uns überlegen wie wir eine Kultur des Teilens (Sharing) etablieren. Wie wir Mitarbeiter animieren, Ihr Wissen, Ihre Prozesse, Ihre Kompetenzen, Ihre Erfahrungen, Ihre Sorgen und Probleme einbringen. Natürlich nicht gezwungen und nicht Big Brother, sondern mit genau dem gleichen Mindset wie im Netz. Um dem Unternehmen und sich selbst zu helfen, um Wertschätzung zu bekommen und Reputation aufzubauen, um den Reichtum der Diversität eines Unternehmens nutzbar zu machen.

Die Grundvoraussetzung dabei ist „Social Features“ – also Funktionen einzuführen, die Mitarbeitern ein Gesicht geben (Profil), Direkte Ansprache oder Dank möglich machen (Statusmeldungen am Profil), Kompetenzen und Interessen artikulierbar machen (Tagging), Kontent schnell und einfach erstellbar machen (Blogs, Wikis, Videoplattformen), Diskussionen ermöglichen (Forum) um Lösungswege und Antwortkompetenz sichtbar zu machen.

Vor Allem aber braucht es den LIKE und den Kommentar um Feedback und Wertschätzung zu geben. Idealerweise nicht nur für Menschen, sondern gerne auch für Dokumente, Formulare und Prozesse. Echte Beteiligung eben. (die beschriebenen Funktionen nennt man übrigens „Enterprise Social Networking“ ESN – und sind die Basis von moderner Kommunikation und Zusammenarbeit ;-)

Wenn dann diese Art des Lernens, Austauschens und Zusammenarbeiten noch gefördert wird, braucht man sich um relevanten Kontent – oder gute Suchergebnisse kaum mehr Sorgen machen. Dann stellt man fest, das man ja eigentlich kein Intranet mehr braucht und eine Suchmaschine nur noch ein kleiner Zusatz zu Empfehlungen, Tagging und der neuen digitalen Kommunikation und Zusammenarbeit ist.

 

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