Wer fragt, führt – und aktiviert damit mehr als Antworten
Ich durfte bei Barbara Wietasch im Podcast Love to Lead zu Gast sein und gut 40 Minuten über Führung, Lernen, Netzwerke, Transformation, KI – und einige Erfahrungen aus vielen Jahren Organisationsentwicklung sprechen.

Besonders spannend fand ich danach Barbaras Zusammenfassung unseres Gesprächs. Was ist bei ihr hängen geblieben?
„Wer fragt, führt.“
Ein Satz, der tatsächlich sehr viel von dem verbindet, woran ich glaube und wie ich arbeite.

Fragen öffnen Räume
Von Führungskräften wird oft erwartet, Antworten zu haben. In einer komplexen und dynamischen Welt halte ich es für mindestens genauso wichtig, gute Fragen zu stellen.
Eine Frage ist für mich die kleinste Form des Lernens.
ohne Fragen… wird lernen schwer…
Eine Frage macht sichtbar, dass ich etwas nicht weiß, was gerade in Führung eine Herausforderung ist – in der Vergangenheit sollte man ja „alles wissen“ als Chef*in. Fragen laden jedoch auch andere Perspektiven ein. Sie schaffen Dialog – und können Wissen aktivieren, das vorher gar nicht zugänglich war.
Damit sind wir sehr schnell bei einem Thema, das mich seit vielen Jahren noch mehr beschäftigt:
Wie können wir das Wissen, die Erfahrungen
und unterschiedlichen Perspektiven einer Organisation besser nutzen?
Von der Frage zum Netzwerk
Im Podcast erzähle ich unter anderem von unseren GUIDE-Netzwerken und der Transformation der digitalen Arbeitswelt bei Continental. Rund 250.000 Menschen in 60 Ländern, 25 neue Tools und zeitweise 1.000 bis 1.500 Migrationen an einem Arbeitstag.
Am ersten großen Rollout-Tag kamen praktisch keine IT-Tickets. Nicht weil es keine Fragen gab.
Die Menschen halfen sich gegenseitig.
GUIDEs, Communities und lokale Netzwerke hatten Wissen geteilt, Fragen beantwortet und Verantwortung übernommen. Für mich ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was möglich wird, wenn wir nicht versuchen, Wissen und Veränderung nur zentral zu steuern, sondern Menschen etwas zuzutrauen, sichere Rahmenbedingungen zu etablieren und gemeinsam zu lernen.
Transparenz → Relevanz → Resonanz

Dieses Prinzip kennt Ihr von mir – ich verfolge es schon relativ lange und auch hier ist es sehr anschaulich anwendbar:
- Ich mache eine Frage oder Herausforderung sichtbar. (Transparenz)
- Menschen erkennen, ob sie etwas beitragen können und wollen. (Relevanz)
- Es entstehen Antworten, Verbindungen, Ideen, Widerspruch – wenn es viele sind: (Resonanz)
- Diese Vielfalt wird verdichtet und wieder ins Netzwerk gegeben.
Ich nenne das gerne „Atmen“: öffnen, aufnehmen, verdichten und wieder öffnen.

Verdichten bedeutet übrigens nicht zwangsläufig zu filtern – es kann auch nachfragen, zum experimentieren ermutigen, den Ball zurückspielen, Allianzen finden, Menschen vernetzen etc. bedeuten. Der typische „Reflex“ zu vereinfachen und zu reduzieren, wird der natürlichen Vielfalt (und der unterschiedlichen Bedürfnisse – besonders im interkulturellen Bereich) nicht mehr gerecht – wir brauchen nicht mehr die „eine effiziente Lösung“, wir brauchen eine Vielzahl wirklich wirksamer Lösungen und Wege.
>> mehr zu der Methode „Atmen im Netzerk“ in meiner Wiki
So können Netzwerke nicht nur Information,
sondern auch Zusammenarbeit skalieren,
ohne dass immer mehr Menschen
gleichzeitig in Meetings sitzen müssen.
Der rote Faden
Barbaras Perspektive auf unser Gespräch macht für mich sehr deutlich, wie eng Führung, Lernen und Netzwerkorganisation miteinander verbunden sind. Gute Führung muss (und sollte heute) nicht jede Antwort kennen. Sie kann Räume schaffen, in denen bessere Antworten entstehen. Darin liegt für mich die größere Chance:
Die Intelligenz in unseren Organisationen ist längst da
– wir sollten sie besser Nutzen!
Zum Podcast
🎧 Love to Lead 74 – Harald Schirmer: Was passiert, wenn Führung nicht mehr bedeutet, die Antworten zu kennen?
Barbara hat ihre Gedanken zu unserem Gespräch ebenfalls zusammengefasst:
Vielen Dank an Barbara für Deine Neugier, Deine Fragen und das schöne Gespräch!

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