Pressemitteilung des BMDS (Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung) am 17.06.2026:
Deutschland und Frankreich präsentieren gemeinsame Definition von digitaler Souveränität
https://bmds.bund.de/aktuelles/pressemitteilungen/detail/deutschland-und-frankreich-praesentieren-gemeinsame-definition-von-digitaler-souveraenitaet
Wildberger: „Digitale Souveränität zu stärken, ist Gebot der Stunde“
Deutschland und Frankreich haben gestern zur VivaTech 2026 in Paris eine gemeinsame Definition von Digitaler Souveränität veröffentlicht – ich finde: das ist großartig und es war überfällig.
Wer meinen Blog kennt, weiß: Digitale Abhängigkeit entsteht, wenn wir durch fehlende Alternativen zu Technologien, Anbietern oder Infrastrukturen gezwungen werden, die uns schaden können. Das gilt für uns alle – privat, in Organisationen und offensichtlich auch auf staatlicher Ebene.
Genau deshalb freue ich mich über dieses Papier – ein wichtiger Schritt, und da es gemeinschaftlich entsteht, um so besser. Ich hab das Paper unten mal für Euch versucht mit etwas KI Support zusammenzufassen.
Im Film „Matrix“, in dem die Menschen zur Energiegewinnung an Maschinen angeschlossen sind, gibt es das Zitat:
„Wenn wir wollten, könnten wir die Maschinen abschalten“
aus dem Film „Matrix“
Für die meisten Firmen, Organisationen oder Privatpersonen halte ich das für wenige wahrscheinlich oder glaubwürdig.
Mach den Selbsttest:
Schalte „ab“ und simuliere den Ernstfall – Du hast plötzlich (privat oder als Organisation, Schule, Verein, Partei, NGO…) – für eine Woche – keinen Zugriff mehr auf (eines oder mehrere davon – es ist nur eine exemplarische Liste):
- Micorosoft Office, Sharepoint, LinkedIn
- WhatsApp, Telegram
- GMX, Gmail, Outlook, Yahoo Mailboxen
- Dropbox, OneDrive, GoogleDrive
- Amazon, eBay, Paypal
- AWS Cloud (ohne die fast kein Service oder Organisation mehr läuft)
- YouTube, Netflix, Spotify
- Google Chrome, Maps
- Facebook, X, Instagram, TicToc
- Fitness-Uhr, Smarthome, Router, SmartFernsehr
- …
- „ach dann lade ich mir einfach eine andere App von einem anderen Anbieter“ — leider nein:
- Apple oder Google AppStore sind auch weg…
All diese „Alltags-Apps“, Büro-Software, Infrastrukturgeräte haben eines gemeinsam: Wir haben in Europa keinerlei Kontrolle oder Einfluss – wir sind (auch dank Abos und „Software As A Service“) nur noch „Ausleihende“ eines zentralen, nicht-EU Services, der jederzeit verändert, reduziert, abgeschalten, verteuert, verkauft… werden kann. ShareConomy ist großartig, ich stehe voll dahinter – nur braucht es eine ausgewogene Beziehung zwischen Anbietern und Nutzern.
Achtung es geht mir hier keineswegs um Brand-Bashing – sondern um Bewusstsein und den Umgang mit Quasi-Monopolen und Alternativen.
Wir wollten alles „umsonst“ –
und haben uns (oder unsere Daten) damit verkauft
und erpressbar gemacht
Alles nur unrealistische Phantasie?
Der gestrige Start vom EU-Social Media Portal WSocial musste leider ohne App für Apple Geräte starten… die App für Europa wurde in USA noch nicht freigegeben.
Macht Euch selbst auf die Suche nach Vorfällen, die oben genannte Services betreffen…
ihr werdet erstaunt sein.
Zurück zum Paper „Digitale Souveränität in der EU“
Was steht drin?
Die Definition beschreibt Digitale Souveränität anhand von sechs konkreten Dimensionen – und wer mein 5-Ebenen-Modell für #DigitalBewusstHandeln kennt, wird vieles wiedererkennen:

- Rechtliche Durchsetzungsfähigkeit – Extraterritorialen Datenzugriff einschränken, EU-Recht tatsächlich durchsetzen
- Technologische Handlungsfähigkeit – eigene Kompetenzen in KI, Halbleitern, Quantentechnologie und Cybersicherheit aufbauen
- Wirtschaftliche Wertschöpfung – F&E, Talente und Kapital in Europa halten und europäische Unternehmen zur globalen Skalierung befähigen
- Datenschutz – höchste Standards für sensitive Daten, abgeschirmt von nicht-europäischer Gesetzgebung
- Substituierbarkeit & Interoperabilität – modulare Architekturen, offene Standards, echte Wechselmöglichkeiten (kein Lock-In!)
- Infrastrukturresilienz – souveräne Rechenzentren, diversifizierte Lieferketten, wettbewerbsfähige KI- und Cloud-Infrastruktur
OpenSource ist Trumpf
Was mich besonders freut: Open Source wird explizit als Schlüssel zur Unabhängigkeit benannt. Genau das, was ich schon länger in meinem Plädoyer für digitale Vielfalt argumentiere – dezentrale Architekturen und offene Standards schützen vor ungesunden Monopolen, Preisdiktaten und Lock-In-Effekten.
Monopole schaffen Abhängigkeiten.
Vielfalt schafft Resilienz.
Das gilt für Staaten genauso wie für uns alle.
Das Papier richtet sich primär an die EU-Kommission und soll in das laufende Tech Sovereignty Package (Cloud & AI Development Act) einfließen. Ein Deutsch-Französisches Zukunftswerk soll die Umsetzung gemeinsam mit Wirtschaft und Ökosystem vorantreiben.
Es bewegt sich was! Mach mit!

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