Führen in dynamischen Unsicherheiten

Es wird immer wichtiger, mit unvorhergesehenen Situationen umzugehen, für die es (noch) keine Regeln gibt, oder die Rahmenbedingungen unklar sind.

Führen in dynamischer Unsicherheit

Wer nur im Risiko-Vermeidungsmodus auf klare Vorgaben wartet, muss ins Schlingern geraten.

Hier ein paar Tipps, die in meiner Erfahrung in Dynamik und Unsicherheit besonders hilfreich waren:

Lernen im Netzwerk

Von und miteinander – ohne Standesdünkel. Folge intern und extern Expert*innen und baue ein Netzwerk auf, das Dich inspiriert und Dir Fragen beantworten kann. Gerade dafür sind Soziale Netzwerke ideal!

  • Praktisches Beispiel: Starte einen informellen “Lunch & Learn” alle zwei Wochen, bei dem Kolleg*innen aus verschiedenen Bereichen 15 Minuten über ihre aktuellen Herausforderungen sprechen. In einem Unternehmen führte das dazu, dass die IT-Abteilung von den Erfahrungen des Vertriebs mit KI-Tools lernte und umgekehrt – ganz ohne aufwändige Schulungsprogramme.

Geschwindigkeit anders denken

Nimm Geschwindigkeit im Planen raus, dafür exploriere in kleinen Schritten aber kontinuierlich. „Probieren geht über studieren” ist jetzt, wo es noch wenig gesichertes Wissen gibt, sehr wertvoll.

  • Praktisches Beispiel: Statt eines 6-Monats-Projektplans für die Einführung eines neuen Tools: Teste es zwei Wochen selbst und in einem kleinen Team (von Neugierigen/Interessierten/Willigen), sammle Feedback, passe an, erweitere „organisch im Pull-Prinzip“ auf das nächste Team. So entdeckst Du früh, was wirklich funktioniert, statt nach Monaten Planung festzustellen, dass die Lösung an der Realität vorbeigeht.

Austausch intensivieren

Regelmäßig und hierarchie-übergreifend… nutze die kollektive Intelligenz von möglichst Vielen und deren Zugang zu diversen Wissensquellen. Cokreative Wikis, Glossare, Foren, Mindmaps, Whiteboards (ideal für ein Bigger Picture) helfen hier besonders.

  • Praktisches Beispiel: Richte ein gemeinsames (White-)Board oder ein Mindmap ein, auf dem alle relevanten Stakeholder ihre Beobachtungen zu einem neuen Thema (z.B. Auswirkungen neuer Regulierungen) eintragen können. Werkstudent*innen haben oft genauso wichtige Insights (oft aktuellere) wie die Bereichsleitung – und sieht manchmal Muster, die anderen entgehen.

Offenheit kultivieren

Offenheit ist jetzt sehr wichtig, weil bisher erfolgreiche Lösungen wahrscheinlich nicht hilfreich sind, vielleicht sogar schädlich. „Das haben wir noch nie so gemacht” – wäre ein guter Indikator für neue Lösungen.

  • Praktische Beispiele: Etabliere Brainstorming Sessions ohne Entscheidungen – trainiere das aushalten von verrückten Ideen, lernt zuhören auch bei unverständlichen Gedankengängen
  • Führe in Meetings die Regel ein: Wenn jemand sagt “Das haben wir immer so gemacht”, muss die Gruppe innehalten und explizit fragen: “Gilt das noch? Was könnte heute anders sein?” Ein Team stellte so fest, dass ihre bewährte Monatsplanung in der neuen dynamischen Marktlage zum Bremsklotz geworden war.

Fragen zulassen

Fragen sind jetzt wichtiger als schnelle Antworten, also sammle diese erst mal und lass sie auch „stehen” – für viele dieser Fragen gibt es erst viel später gute Antworten. Gerade für Leader ist das besonders wichtig.

  • Praktisches Beispiel: Führe eine “Parkplatz”-Liste, auf der ungeklärte Fragen gesammelt werden, ohne dass sofort jemand eine Antwort geben muss. Markiere nach vier Wochen, welche „noch größer oder relevanter geworden sind, welche sich von selbst erledigt haben und welche jetzt beantwortet werden können. Du wirst überrascht sein, wie viele Fragen sich durch die Entwicklung der Situation selbst klären oder zu ganz neuen Fragen führen, wenn Wissen und Erfahrungen wachsen.

Wertschätzung zeigen

Wertschätzung für Menschen, die sich trauen, Dinge anders zu sagen, denken, tun – das erhöht die dringend notwendige psychologische Sicherheit, um mutig zu sein. Aber auch für jeden, die „den Betrieb am Laufen halten“ – beide brauchen jetzt „gesehen werden“.

  • Praktische Beispiele: Benenne in Teammeetings explizit, wenn jemand eine unkonventionelle Idee einbringt: “Danke, dass Du das ansprichst – genau solche Perspektiven brauchen wir jetzt.” Noch besser: Etabliere einen “Zukunftslust-Award” für die mutigste Idee des Monats, unabhängig davon, ob sie umgesetzt wurde.
  • Stelle auch heraus, wie wichtig die Balance zwischen Innovation und effizienter Qualität im Bestandsgeschäft ist – lobe für Resilienz und Qualität

Transparenz schaffen

Transparenz ist essentiell: Das kollektive Wissen und gute Entscheidungen brauchen möglichst viel Einblick in die relevanten Management-Fragen und Rahmenbedingungen – sonst scheitert Beteiligung und es entstehen halbgare Luftschlösser.

  • Praktisches Beispiel: Teile in einem wöchentlichen/monatlichen Update nicht nur Entscheidungen, sondern auch die Dilemmata: “Wir müssen zwischen X und Y entscheiden. Pro X spricht… Pro Y spricht… Wir tendieren zu X, weil… Was übersehen wir?” Diese Offenheit lädt zur Mitgestaltung ein und führt oft zu besseren Entscheidungen.

Beteiligung steigern

Beteiligung steigern, um Verantwortung gemeinsam zu tragen, Risiken früher zu erkennen genau so wie neue Lösungen. Wer gemeinsam entscheidet, trägt diese auch konsequenter und mit mehr Herzblut.

  • Praktisches Beispiel: Statt Entscheidungen im Führungskreis zu treffen und zu verkünden, lade die Betroffenen ein: “Wir haben folgende Optionen – was seht Ihr als Konsequenzen?” In einem Unternehmen verhinderte das eine teure Fehlinvestition, weil die Mitarbeitenden Praxishindernisse sahen, die dem Management nicht bewusst waren. > mehr dazu wie das stufenweise mit weniger Risiko gelingt

Fehlerkultur etablieren

Schnelles Scheitern und Lernen aus Fehlern ist wertvoll – nicht als Lippenbekenntnis, sondern mit konkreten Ritualen. Es geht nicht um zelebrieren von Qualitäts-gefährdenden Fehlern, sondern dem Scheitern in Experimenten. Früh – dokumentiert – zu scheitern, wenn Kosten und Aufwand noch klein und korrigierbar sind, spart später große Krisen.

  • Praktisches Beispiel: Etabliere soziale Plattformen und etabliere ein Verhalten in sozialen Blogs. die Transparenz und „technische Vernetzung“ sorgt zusammen mit dem „Motor“ Likes und Kommentaren für steigende Beteiligung und fördert organisationales Lernen.
  • Führe monatliche “schönesScheitern Sessions” ein, in denen Teams 10 Minuten über gescheiterte Experimente berichten – mit dem Fokus auf “Was haben wir gelernt?” Prämiere das Team, das den interessantesten Fehler gemacht hat. Das signalisiert: Wir wollen, dass Ihr Neues ausprobiert, auch wenn es schiefgehen kann.

Entscheidungsfähigkeit bewahren

Entscheide auch bei 70% Information, statt auf 100% zu warten – mit der klar kommunizierten Option zur Kurskorrektur. In dynamischer Unsicherheit ist die Fähigkeit, Entscheidungen anzupassen, wichtiger als von Anfang an richtig zu liegen.

  • Praktisches Beispiel: Triff Entscheidungen explizit “auf Probe”: “Wir entscheiden uns jetzt für Variante A, setzen einen Review-Termin in 6 Wochen und definieren drei Indikatoren, an denen wir merken würden, dass wir korrigieren müssen.” Das nimmt den Druck, sofort perfekt richtig zu liegen, und macht Anpassungen normal statt zum Gesichtsverlust.

Selbstfürsorge praktizieren

Bei dauerhafter Unsicherheit ist auch Resilienz und bewusster Umgang mit der eigenen Belastung wichtig. Wer dauerhaft im Krisenmodus läuft, verliert die Urteilskraft und Kreativität, die in Unsicherheit besonders gebraucht werden.

  • Praktisches Beispiel: Etabliere persönliche “Anker-Rituale” in unsicheren Zeiten: Ein fester Feierabend-Spaziergang – gerne auch gemeinsam, eine wöchentliche Reflexionszeit oder ein monatlicher Austausch mit einem Mentor. In einem Team half es, gemeinsam festzulegen: “Freitagnachmittag ist E-Mail-Pause” – das schuf Inseln der Ruhe in turbulenten Zeiten.

Was hilft Euch beim Navigieren in dynamischer Unsicherheit – wie im Umgang mit KI oder der aktuellen politischen oder ökologischen Lage?

Fediverse-Reaktionen

Neue Artikel frei Haus!
Hier eintragen um gleich eine kurze eMail zu bekommen, wenn ich neue Artikel veröffentliche:

Datenschutzerklärung