Ein Vorschlag um zielgerichteter die Digitale Souveränität anzugehen – es geht schon so viel mehr als die meisten denken. Abhängigkeiten sind nicht nur ein hohes Risiko für Unternehmer*innen, auch privat lohnt es sich Alternativen zu kennen. Besonders bei kostenlosen „Services“ sind unsere Daten die Währung, mit der wir bezahlen.
Wir alle können etwas tun, um eine selbstbestimmtere Gemeinschaft aufzubauen.
#DigitalBewusstHandeln folgt dem Anspruch handlungsfähig zu bleiben. Abhängigkeiten, die uns oder unser Business zu stark einengen, können unsere Zukunft gefährden.
In der Automotive Branche muss für jeden Lieferanten eine „SecondSource“ gefunden werden – also ein Ersatz oder Plan B. Das ist nicht nur wichtig was Ausfallsicherheit angeht, oder Lieferengpässe, sondern auch bei Preisverhandlungen… Auch im Privaten sind „Vergleichsangebote“ sinnvoll. Das sollten wir auch bei Digitalen Services und Werkzeugen tun. Aber auch bei der Infrastruktur, auf die diese aufbauen:
Ein praktischer Leitfaden für mehr digitale Selbstbestimmung

Mit diesem Bild habe ich versucht ein Schichtenmodell, das die verschiedenen Ebenen digitaler Abhängigkeiten sichtbar macht, zu erstellen. Vom Fundament unserer digitalen Infrastruktur bis zur Software, die wir täglich nutzen. Lasst uns Ebene für Ebene durchgehen und konkrete Wege zur digitalen Souveränität entdecken.
Wer es wissenschaftlicher möchte (mein Fokus ist mehr Praxisbezug und Endanwender*innen), findet unter dem ACATECH Modell hilfreiche Infos, die noch weiter gehen: LINK
Ebene 5: Infrastruktur – Das Fundament unserer digitalen Welt

Die Basis verstehen
Ganz unten liegt das Fundament: Internet-Provider, Netzanbieter, Satelliten-IP und Stromanbieter. Diese Ebene ist wie das Straßennetz für unsere digitale Mobilität – ohne sie bewegt sich nichts. Hier geht es um die grundlegende Erreichbarkeit und Energieversorgung unserer digitalen Systeme.
Wo stehen wir heute?
Die Infrastruktur-Ebene ist oft am stärksten von wenigen großen Anbietern dominiert. Doch gerade hier entstehen spannende Alternativen: Lokale Internetanbieter, Glasfaser-Genossenschaften und Community-Netze zeigen, dass Unabhängigkeit möglich ist. Bei der Energie sehen wir einen Trend zu grünen Rechenzentren und lokaler Stromversorgung.
Konkrete Alternativen und Beispiele:
- Regionale Glasfaser-Genossenschaften
- Freifunk-Communities für unabhängige WLAN-Netze
- Dezentrale Energieversorgung für kritische Infrastruktur
- Redundante Provider-Anbindungen für Unternehmen
Call to Action: Prüfe Deine Provider-Verträge: Gibt es lokale Alternativen? Kannst Du bei kritischen Systemen auf mehrere Anbieter setzen? Auch wenn der Wechsel aufwendiger erscheint – die langfristige Unabhängigkeit und oft besserer Service rechtfertigen den Aufwand.
Ebene 4: Hardware – Die physische Grundlage

Greifbare Technologie
Computer, Speicher, Netzwerkgeräte, mobile Endgeräte, Drucker, Webcams, Mikrofone, Lautsprecher – hier wird es konkret. Diese Ebene können wir anfassen, durch unseren Kauf beeinflusen. Hier haben wir gute Gestaltungsmöglichkeiten.
Die gute Nachricht:
Hardware-Souveränität ist erreichbarer als viele denken! Während wir bei Chips noch Abhängigkeiten haben, gibt es bei vielen Geräten bereits solide europäische und Open-Hardware-Alternativen. Der Schlüssel liegt in bewussten Kaufentscheidungen und längeren Nutzungszyklen.
Konkrete Alternativen und Beispiele:
- Laptops von europäischen Herstellern wie Tuxedo Computers oder NovaCustom mit vorinstalliertem Linux
- Fairphone als nachhaltige Smartphone-Alternative
- Open-Source-Router wie die Fritz!Box oder OpenWrt-kompatible Geräte
- Refurbished Hardware für Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz
- NAS-Systeme von Synology oder selbstgebaut für eigene Cloud-Speicher
Call to Action: Bei der nächsten Anschaffung: Frage nach Reparierbarkeit, Update-Garantien und Datenschutz-Features. Bevorzuge Geräte, die mit freier Software funktionieren. Ein Laptop mit Linux kostet oft weniger und macht Dich unabhängiger als das neueste …
Auch in der Schule, die ich betreue,
setzten wir inzwischen immer mehr auf Refurbished Geräte
– die sind deutlich günstiger,
kommen mit Garantie und sind so schon eine bessere Alternative.
Ebene 3: Plattform-Systemebene – Das Betriebssystem unserer digitalen Welt

Das Nervensystem der Technik
Betriebssysteme, Browser, Sicherheitssoftware, Cloud-Integration und Dateisysteme bilden die Schicht, die zwischen Hardware und unseren Anwendungen vermittelt. Diese Ebene entscheidet fundamental über Ihre digitale Autonomie.
Der Wendepunkt zur Souveränität:
Hier kannst Du mit überschaubarem Aufwand die größte Wirkung erzielen! Der Wechsel des Betriebssystems oder Browsers ist heute so einfach wie nie – und die Alternativen sind ausgereift, benutzerfreundlich und oft sogar leistungsfähiger.
Konkrete Alternativen und Beispiele:
Betriebssysteme:
- Linux Mint oder Ubuntu statt Windows (optisch ähnlich, intuitiv)
- GrapheneOS oder /e/OS für Android-Phones
- LibreELEC für Mediencenter
Browser:
- Firefox mit Privacy-Einstellungen
- Brave für noch mehr Datenschutz
- Vivaldi als funktionsreiche Alternative
Sicherheit:
- Open Source Passwort Manager
- Antivirus & Malware-Schutz z.B. GData oder ClamAV
- GnuPG für Verschlüsselung … und viele mehr
Cloud & Integration:
- Nextcloud auf eigenem Server oder bei europäischen Hostern
- Cryptomator für verschlüsselte Cloud-Nutzung
- OnlyOffice oder Collabora für Office-Zusammenarbeit
Call to Action: Starte mit dem Browser-Wechsel – das dauert 15 Minuten und ist risikolos. Teste Linux auf einem älteren Rechner oder als „zweites Betriebssystem“. Du wirst überrascht sein, wie reibungslos der Alltag funktioniert. Günstiger ist es obendrein.
Ebene 2: Provider Services – Die Dienste, die wir nutzen

Die Service-Schicht
Cloud-Speicher, Archive, Entertainment, Content-Services, E-Mail-Postfächer und Plattform-Daten – hier geht es um die Dienste, die unsere Inhalte und Kommunikation verwalten. Diese Ebene ist besonders kritisch, denn hier liegen unsere Daten.
Die Chancen sind riesig:
Gerade bei Services erleben wir eine Renaissance europäischer und Open-Source-Anbieter. Die Zeiten, in denen „Cloud“ automatisch „US-Konzern“ bedeutete, sind vorbei. Moderne Alternativen bieten oft mehr Funktionen, besseren Datenschutz und faire Preise.
Konkrete Alternativen und Beispiele:
Cloud-Speicher:
- Nextcloud bei deutschen Hostern (z.B. Hetzner) – nutze ich selbst sehr stark
- Tresorit oder Seafile für verschlüsselte Speicherung
E-Mail:
- Mailbox.org, Posteo, Nextcloud
- ProtonMail für maximale Verschlüsselung
- Eigene Domain mit deutschem Hoster
an Eurer eMail-Adresse erkennt man schnell,
wie bewusst Ihr mit Euren Daten – und denen von anderen umgeht:
mail@harald-schirmer.de versus harald42@xyz.com
Content & Archive:
- PeerTube statt YouTube für Videos
- Mastodon oder Pixelfed statt Instagram
- Lokale Medienserver mit Jellyfin oder Plex
Office & Zusammenarbeit:
- Cryptpad für kollaborative Dokumente
- Jitsi oder BigBlueButton für Videokonferenzen
- Zammad oder OTRS für Ticketsysteme
Call to Action: Migriere Schritt für Schritt: Beginne mit Deiner E-Mail – bei den genannten Anbietern kannst Du sogar die alte Adresse parallel weiterlaufen lassen. Synchronisiere wichtige Cloud-Daten (vorerst) zusätzlich zu einem europäischen Anbieter. Jeder migrierte Service ist ein Stück gewonnene Souveränität!
Je mehr Vertrauen Du in die neuen Angebote hast,
um so größer wird Deine Komfortzone – und Unabhängigkeit
Ebene 1: Software / Benutzer-Interface – Unsere täglichen Werkzeuge
Die sichtbare Oberfläche
Office-Anwendungen, E-Mail-Clients, Chat, Kalender, Aufgaben, Notizen, digitale Safes, Foto/Audio/Video-Tools, Kurse, KI-Tools, Social Media, Services, SmartHome, Smartphone-Apps – das ist die Ebene, mit der wir täglich interagieren.
Hier ist die Einstiegshürde am niedrigsten:
Software-Alternativen auszuprobieren ist risikoarm und schnell gemacht. Viele Open-Source-Anwendungen sind funktional gleichwertig oder überlegen – und kosten nichts. Diese Ebene ist Ihr perfekter Startpunkt für mehr digitale Souveränität!
Wichtig: es ist ein Unterschied WO Deine eMails, Adressdaten, Termine oder Dateien liegen und mit welcher Software Du sie nutzt – Du kannst das unabhängig voneinander entscheiden:
Da ich selbst noch in großen Teilen Apple verwende, habe ich meine Daten bereits in aus diesem Umfeld entfernt. Kalender, eMail, Kontakte und Dateien, werden zwar über die Anbieter-Apps genutzt, liegen aber bei „mir“.
Konkrete Alternativen und Beispiele:
Office & Produktivität:
- NextlcoudOffice, LibreOffice oder OnlyOffice (oder noch besser – gar keine Dokumentkontainer mehr – webbasiert, universell z.B. via Markdown-Format)
- Thunderbird für E-Mail
- Joplin oder Standard Notes für Notizen
- Nextcloud Kalender (gibts auch mit Terminbuchung)
Kommunikation:
- Signal oder Element (Matrix) statt WhatsApp
- Nextcloud Talk oder Jitsi Meet für Videokonferenzen
- Thunderbird mit OpenPGP für verschlüsselte E-Mails
Medien & Kreativität:
- GIMP für Bildbearbeitung
- Inkscape für Vektorgrafik
- DaVinci Resolve oder Kdenlive für Videobearbeitung
- Audacity für Audio-Schnitt
SmartHome & Apps:
- Home Assistant für lokale SmartHome-Steuerung
- F-Droid als App-Store für Open-Source-Apps
- OpenStreet für Karten und Navigation
- AntennaPod für Podcasts
Call to Action: Installiere in den nächste 3 Wochen je eine Alternative App: Signal, LibreOffice und Firefox. Probiere sie parallel zu Deinen gewohnten Programmen aus. Gib Dir und der Alternative eine faire Chance – die Eingewöhnung dauert ein paar Tage, aber dann profitierst Du dauerhaft von Unabhängigkeit und oft besserer Funktionalität!
Pro-Tipp: Ich wechsle schon mein Leben lang immer mal wieder Apps – das hält jung im Kopf und man erkennt schnell, das es nicht darum geht die „Knöpfe“ auswendig zu bedienen, sondern die dahinterliegenden Konzepte zu verstehen – dann wird es viel einfacher zu wechseln.
Zusammenfassung: Dein Weg zur digitalen Souveränität
Mit dem 5-Ebenen-Modell möchte ich es konkreter machen, was alles möglich ist: Digitale Souveränität ist kein Alles-oder-Nichts-Prinzip, sondern ein Weg, den wir Schritt für Schritt gehen können. Jede Ebene bietet Ansatzpunkte – von grundlegender Infrastruktur bis zur täglichen Software.
Je höher die Ebene, desto einfacher und schneller kannst Du Veränderungen umsetzen. Starte oben und arbeite Dich nach unten vor!
Top 3: Was Du SOFORT tun kannst – niederschwellig und wirkungsvoll
1. Browser wechseln (5 Minuten)
Installiere Firefox oder Brave, importiere Deine Lesezeichen – fertig! Das ist der schnellste Gewinn an Privatsphäre und Unabhängigkeit. Ergänze Privacy-Plugins wie uBlock Origin und Privacy Badger.
2. Signal statt WhatsApp verwenden (10 Minuten)
Lade Signal herunter und überzeuge Deine engsten Kontakte mitzukommen. Der Funktionsumfang ist identisch, Ihre Kommunikation aber Ende-zu-Ende-verschlüsselt und werbefrei. Tipp: Mach es zur Challenge in Deiner Familie oder Deinem Team! Sogar Radio-Sender bieten inzwischen Alternative Messenger an… dann schaffen wir das auch > hier mehr Infos zu Messengern
3. Cloud-Daten zu europäischem Anbieter synchronisieren (30 Minuten)
Eröffne ein Konto bei Mailbox.org (1€/Monat) oder richte Nextcloud ein (komplettes Paket mit allem was Du von Office 365 kennst für ca. 5€/Monat). Synchronisiere wichtige Dateien zusätzlich dorthin. Du musst Deine alte Cloud nicht sofort aufgeben – aber jetzt hast Du ein Backup und eine Alternative, falls Du wechseln möchtest.
#DigitalBewusstHandeln – Digitale Souveränität ist machbar!
Jeder Schritt zählt. Du musst nicht perfekt sein, aber jetzt kannst Du bewusst entscheiden, wo Du Abhängigkeiten reduzieren möchtest. Die Alternativen sind da, sie sind ausgereift und oft sogar besser als die marktbeherrschenden Lösungen. Bin ich schon mit allem „fertig“ – nein, aber schon recht lang unterwegs. Es gibt auch Nachteile, Dinge, die nicht laufen wie „gewohnt“ oder gewünscht. „Die Großen“ hatten teilweise Jahrzehnte Zeit und Tausende von Entwickler*innen. Open Source (z.B. Nextcloud) hat inzwischen absolut konkurrenzfähige Angebote mit der Community geschaffen.
Es gibt auch gute Gründe nicht zu wechseln, weil einiges einfach besser funktioniert oder bezahlbarer ist, bzw. weniger Kenntnisse erfordert.
Wir sollten uns aber bewusst in diese Abhängigkeit begeben…
und ggf. einen Weg heraus kennen.
Mit #Zukunftslust lade ich Euch ein unsere digitale Welt selbstbestimmt zu gestalten– eine Ebene nach der anderen!
Welche Ebene gehst Du als erstes an? Teile gerne Deine Erfahrungen und inspiriere andere!
Hier ist eine LinkedIn-Gruppe, die ich dafür erstellt habe – dort gibt es auch immer wieder Tipps und Tricks sowie Quellen zu aktuellen Entwicklungen:


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