„Bekommen wir die Folien?“ Immer noch oft die erste Frage bei Konferenzen – in meinem Fall sind die meist schon vor dem Event online, so wie hier mit Hintergrund-Infos. Wissen und Erfahrungen teilen ist für mich ein essentieller Bestandteil meiner eigenen Lernreise. Durch die Reichweite erhalte ich asynchrones, wertvolles Feedback und kann jederzeit auf alles referenzieren.
Im Rahmen der „4 Insider HR Online Konferenz“ halte ich am 18.11.2025 den Vortrag:
Community Leadership Durch erlebbare Werte VUCA rocken!

Dr Frank Edelkraut wird den Tag moderieren, an dem es um STRATEGY, CULTURE & LEADERSHIP in verschiedenen Facetten geht. Wir Speaker haben uns gemeinsam abgestimmt um in den Vorträgen aufeinander einzugehen, Wir zeigen, wie eine klare Strategie, eine starke Unternehmenskultur und herausragende Führungskompetenzen den Erfolg deiner HR-Initiativen beeinflussen.

Events bieten – egal of physisch, virtuell oder hybrid gute Möglichkeiten sich neu zu vernetzen, um künftig von und miteinander zu lernen:
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In den letzten 14 Jahren konnte ich auf globaler Ebene in einem internationalen Konzern Projekte, Initiativen und unzählige „persönliche“ Communities und Netzwerke aufbauen. Im Konzern-Personalbereich/Organisationsentwicklung waren das neun große Themen mit bis zu 240.000 Mitarbeitenden in 60 Ländern.
Alle Projekte und Initiativen basierten auf dem „Dual Operating System“, also einer Organisationsform, die die Vorteile von Hierarchie und Communities/Netzwerken kombiniert.

Es ist wichtig die verschiedenen Organisationsformen in ihren Besonderheiten zu kennen, im HR Bereich werden bisher nur selten Communites oder gar Netzwerke strategisch verankert eingesetzt – ein großes Potential…
Hierarchie: Klare Befehlsketten und Verantwortlichkeiten ermöglichen standardisierte Planung, Prozessabwicklung und effiziente Kontrolle.
Communities: Gemeinsame Werte und Interessen fördern Innovation und Wissensaustausch durch freiwilliges Engagement der Teilgebenden.
Netzwerke: Flexible Co-Kreation zwischen autonomen Partner*innen schaffen Agilität, schnellen Zugang zu Ressourcen & skalierbare Ergebnisse.
Während hierarchische Zusammenarbeit hohe Stabilität und Sicherheit fokussiert, können Netzwerke besonders mutig mit Dynamik und Komplexität (VUCA/BANI) umgehen. Communities sind dabei quasi ein Bindeglied, da sie noch konkretere Rollen haben, aber schon durch Freiwilligkeit und intrinsische Motivation deutlich weniger Rahmenvorgaben brauchen.
In Referenz zum Cynefin Framework sind hierarchische Strukturen besonders für „komplizierte“ Themen geeignet und versuchen durch Klarheit und Vereinfachung zu wirken, während Netzwerke hoch agil und reaktionsschnell – mit „Crowd-Intelligence“ Komplexität und sogar chaotische Umgebungen gemeinsam meistern können.

Kernmerkmale von Communities:
Im Dschungel der Buzzwords und durch Software-Anbieter wurde der Begriff „Community“ so vielseitig verwendet, dass es nicht schadet die relevantesten Aspekte dieser Form von Business-relevanter Kollaboration zusammenzufassen:
- Gemeinsame Interessen/Werte/Ziele: Das gemeinschaftliche Interesse bildet die Grundlage für zwischenmenschliche Interaktionen
- Wir-Gefühl: Ein wachsendes, starkes Gemeinschaftsgefühl erzeugt eine hohe Verbundenheit
- Soziale Interaktion: Regelmäßige, persönlich relevante, sinnhafte Interaktionen fördern Zugehörigkeit und „belastbare“ Beziehungen
- Persönlicher Nutzen: Die Wertigkeit einer Community wird an persönlichen Nutzen und Gemeinschaftswirkung gemessen
- Freiwilligkeit: Die Teilnahme basiert auf freiwilligem Engagement und intrinsischer Motivation
- „Betriebssystem“: Empathie, schnelles Reagieren, psychologische Sicherheit, Begeisterung und Wertschätzung, Entertainment

Sehr oft hört man den Management-Wunsch, eine Aufgabe die in der Linien-Organisation keine Ressourcen findet, an eine Community zu delegieren. Der „Haufen“ cross-funktionaler Menschen, soll dann „intrinsisch motiviert“ die Aufgabe selbstgesteuert übernehmen. Ich kenne kein Beispiel, in dem das so je geklappt hätte.
Communities brauchen Führung, Rahmen, Rollen, einen Life-Cycle und continuierliche „Pflege“ – sie sind weder ein Selbstläufer noch ein kommitment-freies Arbeits-Outsourcing. Deshalb starten so viele Communites schleppend und schlafen vor sich hin – das liegt nicht an den Mitgliedern.

Was „Kommand & Control“ die beiden zentralen Begriffe von Management in Hierarchien, sind „Transparenz & Beteiligung“ in Community Leadership, vor Allem in der Zusammenarbeit mit Co-Kreations-Netzwerken.
Während „Diskretion“ ein hoher Wert im HR Bereich ist, wird Transparenz in Communities und Netzwerken zum grundlegenden Motor. Um die oben benannte Freiwilligkeit zu erzeugen muss – idealerweise von Anfang an (um Mitgestaltung zu ermöglichen) – deutlich mehr Transparenz in Strategie, Mission, Ziele und auch was die künftigen „Engagierten“ von der Mitarbeit in der Community erwarten können.
Die hierarchische Rolle ist im Vertrag geklärt, wer „zusätzliche Arbeit“, intrinsische Motivation und die Übernahme von mehr Verantwortung möchte, sollte ich Gedanken um diese individuelle Investion machen (und das muss nicht Geld sein)
Hohe Prozess-Transparenz, als Sichtbarkeit darüber, was passiert, wer agiert und wozu sorgen über Communities für Risikominimierung und deutlich weniger Widerstand in der Umsetzung. Gleichzeitig steigt das Vertrauen und damit die Anpassung aller Beteiligten (und der Zielgruppe) an die Ergebnisse der Arbeit.

Wie erreiche ich – mit der bestehenden Belegschaft aus Führungskräften und Mitarbeitenden – erfolgreiche Communityergebnisse? Dazu sollte man sich über den Antrieb dieser Organisationsform klar werden. Was bringt Menschen dazu, sich für etwas besonders zu engagieren?
Menschen wollen lernen und lieben Herausforderungen, wenn diese in psychologisch geschützten, wertschätzenden Rahmenbedingungen passieren. Es ist Aufgabe der Community-Leader, (immer wieder) Neugier zu erzeugen, auf das was erreichbar sein könnte, auf neue Themen, Formate und Methoden. Diesen dann einen Rahmen geben um individuelle „Selbstwirksamkeitserfahrung“ steigernd aufzubauen. Die Komfortzone wächst, indem man sie verlässt. Communities bieten einen großartigen Rahmen, sich gemeinsam wirksam zu erleben.
In den drei Intensitätsstufen „informieren – involvieren – aktivieren“ wird deutlich, wie sich Komittment und Begeisterung steigern lassen. Durch diese Vorbilder und Multiplikator*innen steigt Zufriedenheit und Erfolg während sich Angst und „Komplexität“ auf eine neue Weise reduziert. (nicht durch One-Size-Fits-All Vereinfachung, sondern durch viele individuelle Lösungen)

Communities und Netzwerke brauchen andere Werkzeuge, Formate und Methoden als klassische hierarchische Zusammenarbeit. Sie operieren in der Regel ortsunabhängig, zeitunabhängig (Zeitzonen, Arbeitsmodelle) und durch ihre Größe (vor allem bei Netzwerken) skalierbar.
Wichtig bei der Toolauswahl ist das Level und die Integration der Zusammenarbeit, die Ausschlaggebend für Effizienz, Geschwindigkeit und damit auch Wirksamkeit dieser „Großgruppen-Organisationen“ sind.
Es macht einen großen Unterschied, ob „neben der Arbeit seriell Kommuniziert“ wird oder ob Kommunikation und Arbeit – systemintegriert gleichzeitig stattfinden kann.
Diese neue, agilere, Co-Kreative Arbeitsweise hat in allen Projekten enorme Einsparungen bei Zeit, Budget bewirkt, während durch die direkte und praxis-orientierte Umsetzung Nutzungsquoten (der Lösungen) explodierten.

Communities basieren auf gemeinsam gelebten Werten, die die Notwendigkeit von detaillierten Regeln extrem reduziert. Das erfordert einen Austausch und Klärungsprozess, welche Werte besonders relevant sind und wie diese umgesetzt werden können. Wichtig auch dabei, wie mit kollidierenden Werten umgegangen wird. Hier ist eine der relevantesten Aufgaben für Community Leadership, diese Werte immer und überall sichtbar zu vertreten, einzubauen und für all erlebbar zu machen – hier einige Aspekte:
Vertrauen:
- Zutrauen erzeugt Vertrauen
- Prozess-Transparenz ersetzt Kontrollen (sharing)
- Soziale Reputation
- gemeinsame Lernreisen
- Experimentierkultur
Verbundenheit:
- Beziehungsarbeit
- Co-Kreation
- “machs zu Deinem Projekt“ (Beteiligung)
- persönliche Marke
- Branding & Storytelling
- „Gemeinsam fegen“
Freiheit:
- Tue was Du wirklich wirklich willst*
- Rule-breaker workshops
- Handlungsfreiheit
- Zwänge ansprechen, öffnen (z.B. Rollen)
- Respektsbalance
Gewinnermentalität
- Moonshot Mentalität
- Verantwortungs-Backup
- kein Wettkampf gegeneinander, sondern gegen das bestmögliche Ziel
- Solidarität
- Feiern zelebrieren
Werden Werte jenseits von Bühnen erlebbar, reduziert sich Aufwand enorm (bei Vorgaben, Kontrolle, Korrekturen), selbst Ablehnung geht deutlich zurück, wenn das „wie“ etwas passiert den gemeinsam verständigten Werten entspricht.
Dieses Vorgehen hat selbst in „angstbehafteten“ Themen wie der Einführung von Künstlicher Intelligenz zu nachgewiesener Nutzungserhöhung und damit massivem Kompetenzaufbau geführt.

Dieses „Bild“ nutze ich schon länger um deutlich zu machen, wie Beteiligung und Verantwortungsübernahme direkt zusammenhängt mit dem Einbindungsgrad in Entscheidungen.
Wer „ferngesteuert malen nach Zahlen“ betreiben soll, wird sich kaum besonders engagieren“
Wer Hierarchie, Communities und Netzwerke integriert und bewusst einsetzt, kann die „Gesamtenergie“ der Organisation deutlich erhöhen, weil die erlebte Selbstwirksamkeit, das notwendige Zutrauen/Vertrauen in der Netzwerkarbeit auch in die Hierarchie strahlt.

Wir können kaum „von außen“ langfristig oder nachhaltig motivieren, es reicht jedoch in der Regel, Demotivaton abzubauen. Hier einige „Wirkketten und Ursachen“ und Möglichkeiten das anders zu gestalten:
- zu enge Vorgaben > reduziert Neugier, betäubt Kreativität > Zutrauen und Überraschen lassen
- keine Zeit > Communityarbeit ist nicht linear > gemeinsam lernen
- kein Zwangs-Recruiting > zuweisen ist kritisch > Community attraktiv machen
- keine Entscheidungsfreiheit > Verzögerungen & Lähmung > Verantwortung abgeben
- zu schnell zu komplex > klein starten, kontinuierlich wachsen „Challenges“ / Gamification
- „Bio-Rhythmus“ > keine Marathonsprints > Pausen & Sprints zelebrieren – Achtsamkeit & Rituale
- sich selbst überlassen > Gefühl von Unwichtigkeit > Community Leader wählen lassen
- rechtfertigendes Reporting > persönliche Gespräche, aktive Management-Beteiligung
- Community-Life-Cycle > undefinierter Zustand > Phasenklärung
- Unendlichkeit > Dinge abschließen > Erfolge spürbar feiern (Attraktivität, Bindung ohne „muss“)

Noch ein paar zentrale Tipps für Community Leadership je nach dem, welche Rolle Sie haben. Für Personalbereiche ein wichtiger Hinweis, diese Rahmenbedingungen zu schaffen und zu fördern – besonders in der Organisationsentwicklung gibt es hier unzählige Möglichkeiten.
Manager: (starten, befähigen, verstetigen, bewerben)
- Verankern Sie die Community in der Unternehmensstrategie
- Investieren Sie in Community-Management-Kompetenz und Tools
- Lernen Sie mit der Community, das hilft gegen Ungeduld
Community-Leader: (Vorbild, Partner*in, Empathie, Sinn)
- Ihre Community ist eine Kombi aus „Woodstock“ und „Mond-Mission“
- Übertreiben Sie Transparenz, Beteiligung und Wertschätzung
- Werden Sie großartig als Gastgeber*in

Gerade für die Community Leader hier noch eine etwas ausführlichere, strukturierte Liste an relevanten Themen. Der Bundesverband der Community Manager bietet auch ein ERA-Profil, dem man die Vielfalt an Aufgaben dieser Rolle entnehmen kann. Zudem ist – damals von Katharina Krentz mitentwickeltem – der Community Life Cycle sehr zu empfehlen, um die einzelnen Phasen zu kennen und unterstützend wirksam sein sein.
Beziehungsarbeit:
- Seien Sie kontinuierlich präsent und verlässlich (Regelmäßigkeit schlägt Perfektion)
- Zeigen Sie Empathie und gehen Sie auf individuelle Bedürfnisse ein
- Bauen Sie persönliche Beziehungen auf – kennen Sie Ihre Mitglieder (und deren Namen)
Aktivierung:
- Identifizieren und fördern Sie Power-User/Champions als Multiplikatoren
- Schaffen Sie – immer wieder – niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten für neue Mitglieder
- Machen Sie den persönlichen Nutzen für jedes Mitglied deutlich („What’s in it for me?“)
Rahmenbedingungen:
- Etablieren Sie klare, einfache Spielregeln (Netiquette)
- Schaffen Sie sichere „Räume“ für offenen Austausch
- Dokumentieren und kommunizieren Sie Erfolge (für Sichtbarkeit, Legitimation und Attraktivität)
Inhalte & Interaktion:
- Erstellen Sie gemeinsam relevante, praxisnahe Inhalte
- Reagieren Sie schnell auf Anfragen und Beiträge
- Begeistern Sie durch Formate, die Spaß machen und Mehrwert bieten – Überraschen Sie!
Selbstführung:
- Übernehmen Sie Eigenverantwortung, aber holen Sie sich Management-Support
- Messen Sie Ihren Impact und kommunizieren Sie ihn aktiv
- Vernetzen Sie sich mit anderen Community-Leadern zum Erfahrungsaustausch
Zum Ende möchte ich unbedingt noch das Buch von Tanja Laub „Communitiy“ empfehlen. Sie hat ein großartiges Werk, mit vielen Praxisbeispielen, Erfahrungen und Hinweisen für erfolgreiche Communities zusammengestellt:


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