Risikominimierung durch Digitale Souveränität

Harald Schirmer - Keynote

Am 06. November 2025 bin ich eingeladen bei KongressMedia und dem Event Shift/Work Smart Work & Employee Communications SUMMIT meinen Beitrag zu #DigitalBewusstHandeln zu leisten.

Typischerweise teile ich im Nachgang meine Präsentation – diesemal meine Sammlung an Gedanken, die zur Präsentation geführt haben – umfangreicher und vielleicht gut um selbst zu reflektieren, wie Du mit Digitalen Tools umgehst:

1. Meine Definition & Zielsetzung

Digitale Souveränität
Digitale Souveränität
  • Digitale Souveränität = Reifegrad im Umgang mit Technologie, Prozessen und Methoden
  • Ziel: Erfolg sichern, Freiheit bewahren, Risiken und Abhängigkeiten reduzieren
  • Kontrolle, Vertrauen und Handlungsfähigkeit im digitalen Arbeitsplatz

2. Mein 3-Stufen-Modell: Weg zur Digitalen Souveränität

Diverse Tests haben mir gezeigt, dass es kaum erfolgreich ist (Überforderung und Unsicherheit), in einem Schritt in Open Source zu „springen“. Dieser schrittweise Vorgang scheint bei vielen Menschen und kleineren Organisationen gut umzusetzen zu sein. In jedem Schritt generiert man Selbstvertrauen und das notwendige Wissen und Kompetenzen für den nächsten. Ich empfehle das auch nicht „für alles auf einmal“, sondern pro Tool-Klasse zu betreiben, da einige Lösungen sehr schnell, einfach und ohne große Anpassung laufen, andere deutlich mehr Vorbereitung und Aufwand bedeuten.

Digitale Selbstbestimmung

Stufe 1: Digital Aufräumen

  • Bestandsaufnahme bestehender Tools, Daten und Verhaltensweisen
  • Klassische Problemfelder: Passwort-Management, fehlende Backups, Speicherprobleme
  • Schnelle Risikoreduzierung durch kleine Änderungen
  • Viele „Aha-Momente“ durch Lern-Perspektive

Stufe 2: Digital Optimieren (Modern Work Style)

  • Integrierte Struktur, weniger Medienbrüche
  • KI-gestützte Automatisierung
  • Kollaborativere, flüssigere Arbeitsweise
  • Kommunikationsoptimierung: Zeit sparen, Qualität steigern
  • „Freude“ an neuer Zusammenarbeit entdecken

Stufe 3: Digitale Souveränität

  • Tools auf den Prüfstand: Abhängigkeiten, Ethik, Risiken
  • BigTech, Vendor-Lock-In, Datenhoheit analysieren
  • Hochwertige deutsche/europäische Alternativen nutzen
  • Systemisches Lernen statt Tool-Training
  • Allianzen bilden, Optionen kennen

3. Schlüsselaspekte Digitaler Souveränität

Digitale Selbstbestimmung

  • Kontrolle über eigene Daten (auch versteckte: Lokation, Verweildauer, Browser-Historie)
  • Bewusste Entscheidungen über digitale Angebote
  • Werte im Netz aktiv vertreten

Kompetenz & Informiertheit

  • Risiken (Datenschutz, Manipulation) und Chancen kennen
  • Kontinuierliches Lernen im Netzwerk / Social Media intern und extern
  • Nicht „Einmal-Kurs“ sondern permanente Weiterentwicklung

Achtsamkeit

  • Vor digitalen Handlungen innehalten – reflektieren
  • Geschäftsmodelle hinterfragen: „Womit verdient der Anbieter?“ (Bin ich das Produkt?)
  • Routinen und Motive reflektieren
  • Gemeinsam statt alleine Alternativen nutzen

Nachhaltigkeit

  • Energieverbrauch von Rechenzentren bedenken (besonders bei KI)
    • unterscheiden, wofür genau wird – wie viel – Energie benötigt (Training braucht viel mehr Energie als die Nutzung, die jedoch durch die Menge an Nutzer*innen skaliert)
  • Bewusster Umgang mit digitalen Diensten – wen möchte ich fördern, durch mein Geld?

4. Risiken & Abhängigkeiten

VUCA/BANI-Welt als Kontext

  • Volatility (Flüchtigkeit – Tools und Services kommen und gehen – verändern sich rasch)
  • Uncertainty (Ungewissheit – wer weiß, welche Plattform sich durchsetzt oder von wem „gekauft“ wird)
  • Complexity (Komplexität – Vielfalt und Dynamik verlangt nach neuem Umgang)
  • Ambiguity (Mehrdeutigkeit – viele Begriffe sind zu Worthülsen geworden – sehr verschieden interpretiert)
  • Notwendigkeit: Flexibilität, Resilienz, Lernfähigkeit

Konkrete Risiken

  • Vendor-Lock-In und BigTech-Abhängigkeit
  • Fehlende Datenhoheit
  • Manipulationsrisiken
  • Wirtschaftliche und politische Außenwirkungen
  • Überforderung durch Technik-Overload

5. Psychologische Barrieren & Lösungen

Typischer Technologie-Zyklus (Negativ)

  1. Gesunder/ungesunder Zweifel
  2. Unvorbereitetes Ausprobieren
  3. Enttäuschung (keine sofortigen Erfolge)
  4. Ablehnung & Rechtfertigung
  5. Frust & Aggression
  6. Resignation

Lösungsansatz: 4-Schritte-Prozess

  1. Vernetzen mit erfahrenen Menschen
  2. Leihen/Testen ohne Erwartungsdruck
  3. Vielfältig Nutzen in verschiedenen Situationen
  4. Vertrauen aufbauen durch Übung und Erfahrung

6. Mindset-Shift: Von Überforderung zu Zukunftslust

Neue Haltung

  • Technologie als Werkzeug verstehen (nicht als Bedrohung)
  • Realistische Erwartungen an sich selbst
  • Demut und Offenheit gegenüber Neuem
  • Social Learning statt Einzelkämpfertum
  • Neugier und Entdeckerfreude statt Resignation

Überzogene Erwartungen reduzieren

  • Nicht alles sofort beherrschen müssen
  • Scheitern als Teil des Lernprozesses akzeptieren (sowohl des Tools, des Prozesse oder selbst)
  • Werkzeuge haben Schwächen (sie zu kennen und damit konstruktive umgehen macht den Unterschied)

7. Organisationsentwicklung & Kulturwandel

Positive Nebeneffekte des Weges

  • „Mehr Ruhe und Ordnung in die Überforderung“
  • Neue Lernkultur: Beteiligung statt Instruktion
  • Selbstgesteuertes, lebenslanges Lernen
  • Sinnorientierung und intrinsische Motivation
  • Perspektivenübernahme und Diversität

New Work Anforderungen

  • Veränderungsbereitschaft und Innovationskraft
  • Resilienz als Schlüsselkompetenz
  • Initiativkraft und Verantwortungsübernahme
  • Verantwortungsbewusste Gestaltung statt Gewinnmaximierung

8. Praktische Handlungsfelder

Generelle Digital-Kompetenzen aufbauen

  • Passwortsicherheit, Backup-Strategien
  • Cloud-Kompetenz, KI-Nutzung
  • Informationsquellen bewerten – Quellen Authentifizierung (Vernetzung mit relevanten Expert*innen hilft enorm)
  • Mit Mehrdeutigkeit umgehen

Alternativen kennen und nutzen

  • Hochwertige, günstige deutsche/europäische Lösungen
  • Nicht „schon immer so gemacht“ akzeptieren
  • Optionen kennen macht resilient
  • Risiken abwägen können

9. Zentrale Botschaften

  • Nicht einfach gegen BigTech, sondern FÜR bewusste Entscheidungen
  • Der Weg (Organisationsentwicklung) ist bereits wertvoll
  • Gemeinsam statt einsam: Social Learning funktioniert
  • Digitale Souveränität schützt: privat, wirtschaftlich, gesellschaftlich
  • #DigitalBewusstHandeln statt blindem Technik-Konsum

TIPP – DigitalBewusstHandeln Diskussionsgruppe:

Von und miteinander lernen – dafür habe ich vor einiger Zeit bereits eine Linkedin Gruppe erstellt – mehr dazu hier: Digital Bewusst Handeln – freue mich, wenn Ihr dazukommt: https://www.linkedin.com/groups/10152260

Hier die Präsentation als PDF zum Download:

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