Ein Beitrag zur Blogparade der Corporate Learning Community
In den letzten Jahren habe ich immer wieder erlebt, wie – Lernen und Wissen – fälschlicherweise getrennt voneinander betrachtet werden. Dabei gehören sie zusammen – gerade aktuell sollten wir uns mit diesem Paar beschäftigen.

In vielen Diskussionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, wird Wissen (selbst Wissenschaft) angezweifelt und versucht lernen an KI zu delegieren, oder vermieden (alles soll selbsterklärend sein).
Wenn Lernen und Wissen sich begegnen
Lernen ist der Weg,
Wissen das Ziel?
Ohne vorhandenes Wissen fehlen uns die Anknüpfungspunkte für neues Lernen. Gleichzeitig motiviert uns Wissen zum Weiterlernen – je mehr wir verstehen, desto neugieriger werden wir auf Zusammenhänge und Vertiefungen.
Lernen verwandelt erst Information in anwendbares Wissen. Und Wissen ohne Lernen… wird schnell unbrauchbar (unanwendbar) und verliert in unserer sich rasant wandelnden Welt an Relevanz. Sie verstärken sich spiralförmig: Mehr Wissen erleichtert das Lernen, besseres Lernen führt zu tieferem Wissen.
Zusammen schaffen sie etwas Magisches: echte Kompetenz und die Basis für Innovation. Nebenbei ist es ein sehr befriedigendes Gefühl etwas, das man sich erarbeitet hat, verstanden zu haben.
Kritisch betrachtet ist auch Lernen mehr als die Ansammlung von Informationen und Fähigkeiten – es macht etwas mit uns als Mensch – das unterscheidet uns von KI und MaschinenLearning.

Lebendiges Wissen braucht Bewegung
Wissen kann sich nur entwickeln, verbreiten, wachsen und anpassen, wenn es GENUTZT wird. Wenn wir es – wie so oft – in Email-Postfächern oder geschlossenen Datenbanken verstecken oder durch zu strikte Berechtigungskonzepte (Need2Know), stirbt es dort einen einsamen Tod und erzeugt großen Aufwand gefunden zu werden.
Unsere heutigen Möglichkeiten Wissen zugänglich zu machen UND es zu schützen, hilft bei einem modernen Umgang und zeitlich/örtlich verteilter Zusammenarbeit.
Können wir es uns angesichts heutiger Herausforderungen noch leisten, Wissen zu verstecken?
In Netzwerken wächst Wissen durch lernen und sharing exponentiell
Die spannendsten Durchbrüche entstehen heute, wenn Menschen aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten. Wenn Chemiker mit Elektro-Ingenieuren sprechen, wenn Kunst und Technik plötzlich gemeinsam Lösungen suchen. Die wichtigen, störenden Fragen, auf die man selbst einfach nicht kommt, können der Grundstein für bahnbrechende Innovationen sein.
Die CLC ist ein Netzwerk aus über 11.000 Lern-Enthusiast*Innen und Lern-Verantwortlichen in kleinen, mittleren und sehr großen Organisationen. Von- und miteinander Lernen und gemeinsames Wissen aufbauen ist nicht nur viel effizienter, es bringt uns alle weiter!
Soziale Netzwerke leisten einen enormen Beitrag: Sie machen unsere Kenntnisse und Ideen sichtbar, initiieren neue Verknüpfungen und “stören” uns mit fremden Ideen – regen uns an, anders zu denken. Auch wenn heutige Algorithmen und Geschäftsmodelle das erschweren – sollten wir auf diesen Hebel nicht verzichten.

Ich erlebe immer wieder, wie passionierte “KnowledgeBroker” mit etwas Freiraum wahre Innovations-Feuerwerke entzünden. Ideen werden “on the go” gemeinsam entwickelt, neue Verknüpfungen – in den Köpfen aber auch zwischen Menschen und Wissensgebieten – entstehen und bilden die Basis für spannende, neue Produkt- oder ServiceIdeen.
Gemeinsam sind wir stärker
Eine einzelne Organisation kann heute nicht mehr alle Probleme alleine lösen.
Stell dir vor: Statt eine Agenda als “vertraulich” einzustufen und sie im letzten Moment nur an einen ausgewählten Kreis zu verteilen, beteiligst du die Menschen von Anfang an. Entwickelst die Agenda gemeinsam. Wären das nicht echte Teilgeber*innen, die sich ganz anders motiviert einbringen würden? Widerstand wird reduziert, Kommitment und Verständnis wächst – meist geht’s so auch viel schneller.
Die Frage, die bleibt
Wie können wir erreichen, dass mehr Menschen bereitwillig und mit gutem Gefühl ihr Wissen teilen? Weniger Angst loszulassen, dafür das Vertrauen aufbauen, dass mehr zurückkommt als sie gegeben haben?
Die Antwort liegt nicht in der perfekten Software – sie liegt in einem Kulturwandel im Umgang mit Lernen und Wissen. Wenn wir es schaffen, unsere Erkenntnisse transparenter sichtbar zu machen, auszutauschen, hin und her zu schicken, zu biegen und neu zusammenzuwürfeln – dann kann wieder etwas Neues entstehen.
Und genau dafür sind Experimentierräume wie die der CLC so wertvoll: Sie geben uns den sicheren Rahmen, in dem Lernen und Wissen sich begegnen, sich lieben und gemeinsam wachsen können.
Die CLC und die GfWM (Gesellschaft für Wissensmanagement) arbeiten hier intensiver zusammen – und werden beim KnowledgeCamp2025 diese Diskussionen vertiefen – wir freuen uns auf alle die mitmachen und dabei sind!

Lernen liebt Wissen – und Wissen liebt es, gelernt zu werden.
