Denk mal mitFragebögen sind ja nach wie vor eine verbreitete Möglichkeit Einschätzungen von Zielgruppen zu erhalten. Sie dienen der quantitativen und manchmal qualitativen Sammlung von Informationen. Heute ist es nicht nur technisch möglich sondern vielmehr sollten wir verpflichtet sein, uns mit Individuen auseinandersetzen – im Dialog in der Diskussion und mit hoher Offenheit und Beteiligung, sowie einem transparenten Prozess und Ergebnisdarstellung. All das kann ein Fragebogen – auch wenn er web-basiert ist – nicht leisten. Geht es um die rein quantitative Abfrage, ist ein Fragebogen doch nur ein statistisches Schätzmittel / eine begrenzte Stichprobe mit hohem Fehlerpotential – dafür ist heute Big Data wesentlich besser geeignet, da man hier Live-Echtzeitdaten erhalten kann, die wesentliche schwerer von der Zielgruppe beeinflusst werden kann – natürlich unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte…

Persönlich stehe ich dem echten Mehrwert von Fragebögen eher zweifelnd gegenüber, weil:

  • nur bestimmte Leute diese ausfüllen (oder besser ein bestimmter Menschentyp)
  • wenn man sie gewissenhaft ausfüllt, sehr viel Aufwand dahinter steckt – und man praktisch nichts zurückbekommt (um von anderen zu lernen)
  • besonders bei Freitext-Fragen (qualitativ) ich bisher noch kaum eine wirklich erhellende Zusammenfassung gesehen habe
  • kein Dialog bzw. keine Vertiefung entsteht (ist auch nicht so gedacht – aber damit hört der Fragebogen da auf, wo es spannend wird)
  • das Frageboden Design (Struktur, User Interface) ist meist sehr „lieblos“ ist (es macht keinen Spass die Textwüsten auszufüllen)
  • Die technische Umsetzung ist sehr oft unprofessionell bzw nicht intelligent gelöst ist (Abhängigkeiten, sinnenhafte Zusammenhänge, richtige Wahl der Funktionen…)

 

Speziell bei den Fragen sehe ich kritisch: (es bedarf großer Expertise und Perspektivenwechsel um wirklich gute Fragen zu stellen)

  • oft leiten Fragen am Kenntnisstand bzw der Vorprägung des Fragenden entlang
  • Ursachen und Wirkung werden teils vermischt
  • zu starke Einengung der möglichen vorgegebenen Antworten erlauben es nicht eigene Antworten zu geben
  • Fragen werden in einer Form gestellt, die eine bestehende (oder gewünschte) These bestätigen sollen

 

Ich habe früher selbst auch Fragebögen genutzt, aber eher um:

  • effizient  (für beide Seiten) einheitliche Antworten zu bekommen – z.B. für Planungen
  • einen direkt spürbaren/erlebbaren Mehrwert – auf Basis der Rückmeldungen zu generieren
  • über Freitextfragen Impulse zu erhalten (dafür nutze ich inzwischen allerdings fast ausschließlich soziale Netze)

 

Big Data und Soziale Netzwerke (mir ist bewußt das auch hier noch nicht die Gesamtheit der Bevölkerung erreicht werden kann) sind in meinen Augen heute wesentlich besser für Erhebungen geeignet.

Was denkt Ihr darüber?